Politik : BKA: Kofferbomber planten Anschlag auf WM-Stadion

Düsseldorf - Die „Kofferbomber“ von Köln sollen ursprünglich einen Anschlag in einem Stadion während der Fußball- WM in Deutschland 2006 geplant haben. Nur wegen der hohen Sicherheitsvorkehrungen hätten sie darauf verzichtet, berichtete am Donnerstag ein Kommissar des Bundeskriminalamtes als Zeuge im Düsseldorfer Prozess. Dies habe ihm der im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilte „Kofferbomber“ Dschihad H. bei einer Befragung in Beirut gestanden.

Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht ist der 23-jährige Jussef al H. wegen vielfachen versuchten Mordes angeklagt. Auch er wurde bereits in Beirut in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Die beiden Libanesen sollen am 31. Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei selbst gebaute Bomben in Regionalzügen deponiert haben, die aber nicht zündeten. Jussef al H. hatte bereits eingeräumt, der Mann auf den Fahndungsbildern zu sein, die in Köln aufgenommen worden waren. Die Aufnahmen zeigen ihn im Trikot des Fußball-Nationalelf-Kapitäns Michael Ballack.

Der Verbindungsbeamte des BKA im Libanon widersprach auch der Verteidigerversion, wonach die wenige Wochen nach der WM in zwei Regionalzügen deponierten Bomben gar nicht explodieren sollten. Der Libanese habe ihm gegenüber keine Zweifel daran gelassen, dass sie Menschen töten wollten, „und zwar so viele wie möglich“, sagte der 58-Jährige. So sollte die in den Bombenkoffern gefundene Speisestärke die Verbrennungen der Opfer und damit ihr Leid und ihre Qualen vergrößern. Das habe Dschihad H. ihm ausdrücklich gesagt. Der Libanese habe sich im Nachhinein allerdings sehr erleichtert darüber gezeigt, dass die Bomben nicht explodierten.

Dschihad H. habe Jussef al H. als Anstifter der Anschläge bezichtigt. Er selbst sei von Jussef al H. wochenlang einer „Gehirnwäsche“ unterzogen worden. Zusammen hätten sie im Internet nach einer Anleitung zum Bau „der gefährlichsten Bombe recherchiert“. „Die hatten ganz klar das Ziel, die Bombe hochgehen zu lassen“, sagte der Ermittler, der auch den Hinweis des libanesischen militärischen Geheimdienstes weitergegeben hatte, der zur Festnahme von Jussef al H. in Kiel führte. Die Familie des 23-Jährigen sei abgehört worden, weil sie unter Terrorverdacht gestanden habe. Dabei sei der Anruf aus Deutschland mitgehört worden, nachdem der Student sein Fahndungsbild im Fernsehen gesehen hatte.

Dschihad H. habe auch seine E-Mail- Passwörter preisgegeben. Die Mails hätten zahlreiche Verweise auf Al-Qaida- Propaganda und Zeichen seiner Bewunderung für Osama bin Laden enthalten. Der anfängliche Verdacht eines direkten Kontakts zum Al-Qaida-Netzwerk bestätigte sich aber nicht. dpa

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