Politik : Blähen fürs Finanzamt

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Was ist eigentlich aus dem Aufruf Arnulf Barings geworden, die Deutschen sollten auf die Barrikaden? Hatte nicht Wolfgang Gerhardt von der FDP dazu aufgerufen, die Finanzämter lahm zu legen? Und Joschka Fischer eine europäische „Boston Tea Party“ gefordert? Hatten sich nicht allerhand Initiativen gegründet, die den Protest der radikalen Mitte zu kanalisieren versprachen? Wahrscheinlich planen die Umstürzler jetzt alle konspirativ in Rimini, auf Mallorca, am Balaton und in Dänemark. In Berlin sind jedenfalls keine Spuren einer Volkserhebung zu sehen. Wobei es ja sehr länderspezifische Formen des politischen Massenprotests gibt. Die Briten haben ihre jahrhundertealte Tradition der Rebellion, die Deutschen die der zunächst meist scheiternden Revolution, die Franzosen dagegen bevorzugen den ordentlichen Coup d’Etat inklusive öffentlichen Köpfens. Heute ächzt das zerknirschte Volk zwar nur unter Bürokraten-Formularen und Parkraumbewirtschaftungsabgaben, nicht mehr so richtig unter Autokraten, Tyrannen und Diktatoren. Vielleicht ist die Revolte deshalb ausgeblieben. Zumindest hierzulande. Aber werfen wir doch mal einen instruktiven Blick auf die Weltgegend, die so fern liegt, dass ferner nicht möglich ist. Neuseeland. Dort hat die böse Regierung dem geschundenen Volk eine neue Steuer aufgebürdet, und da Politik zuweilen recht unappetitlich sein kann, wird´s jetzt eben unappetitlich. Besteuert werden soll der Methangas-Ausstoß des neuseeländischen Viehs. Angeblich produzieren die Kühe dort 50 Prozent der Treibhausgase. Pro Farm sind 157 Euro jährlich fällig. Baring hätte seinen Spaß daran: Die Bauern schicken nun massenhaft Dung-Pakete ans Parlament.

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