Politik : Blair in Washington: Der britische Premier empfiehlt sich den USA als Musterverbündeter

Hendrik Bebber

Wegen des "speziellen Verhältnisses" zwischen den USA und Großbritannien nimmt Tony Blair kurz vor dem Wahlkampf sogar den Unmut seiner Hinterbänkler wegen der Luftangriffe auf den Irak in Kauf. Als Gastgeschenk für seinen ersten Besuch bei Präsident Bush verteidigte er leidenschaftlich die Aktion: "Was wir im Irak taten, war absolut notwendig. Saddam Hussein ist der gefährlichste Politiker der Welt", erklärte er kurz vor seinem Abflug nach Washington.

Blair will Bush wieder daran erinnern, dass Großbritannien nicht die Unruhe und Sorgen der Europäer über die Politik des neuen Präsidenten teilt. "Uns verbinden Verwandtschaft, Geschichte, die gleiche Sprache und vor allem gemeinsame Wertvorstellungen", definierte Blair die britische Sonderstellung als "ältester und loyalster Verbündeter" ungeachtet dessen, dass Hollywood mit dem Erfolgsfilm "Der Patriot" in den USA unangenehme Erinnerungen an die Anfänge des "speziellen Verhältnisses" wachrief.

Bush trifft Blair in "hemdsärmliger Atmosphäre" auf seinem Feriensitz Camp David in Maryland. Im Gegensatz zu den Begegnungen mit seinem Freund Bill Clinton kann Blair nicht hoffen, dass Bush ihn aktiv bei dem Friedensprozess in Nordirland unterstützt. Dieses Thema steht gar nicht erst auf dem Programm. Dafür sollen strittige Punkte zwischen den USA und Europa bei Verteidigung und Handel diskutiert werden. Angesichts der Reaktion der europäischen Partner auf die britische Waffenhilfe bei dem Luftschlag im Irak, will Blair mit Bush "schlaue Sanktionen" diskutieren. Handelsembargos, die nur das irakische Volk treffen, sollen nach britischen Plänen gemildert werden. Bei dem ballistischen Raketenabwehrsystem, das Bush im All installieren will, deutete Blair bereits einen Kompromiss an: "Es ist ein delikates Thema. Meiner Ansicht nach gibt es durchaus dabei eine Lösung, die amerikanische Kriterien und die Vorbehalte anderer Länder befriedigt." Angesichts der Furcht in seinem Land erklärte Blairs Pressesprecher Campbell: "Es gibt keine Vorschläge, dass amerikanische Raketen auf britischem Boden stationiert werden."

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