Politik : Blair kündigt Kurswechsel für Europa an

Überragender Wahlsieg für Labour London (dpa/AFP).Der neue britische Premierminister Tony Blair hat in seiner ersten öffentlichen Rede angekündigt, seine Regierung werde eine Führungsrolle "vor allem in der Europapolitik" übernehmen.Er versprach nach dem überraschend klaren Wahlsieg Großbritannien "ein Bildungssystem von Weltklasse" und die "Modernisierung des Sozialstaates".Blair ernannte am Freitag mehrere Minister.Robin Cook wird Außenminister, Jack Straw Innenminister und Gordon Brown Schatzkanzler.John Major kündigte seinen Rücktritt vom Parteivorsitz an.Ausländische Politiker begrüßten vor allem die durch den Machtwechsel an der Themse verbesserten Chancen für die europäische Einigung. Tony Blair gab seine Versprechen am Freitag, nachdem Königin Elizabeth II.ihn mit der Regierungsbildung beauftragt hatte.Seine Partei erzielte bei der Unterhauswahl am Donnerstag den größten Erfolg ihrer Parteigeschichte und löste die Konservativen nach 18 Jahren an der Regierung ab."Dies ist kein Mandat für Dogma, Doktrin, oder die Rückkehr zur Vergangenheit, sondern für die Zukunft.Wir werden eine Regierung für alle Menschen sein, für die ganze Nation", versprach Blair auf den Stufen des Amtssitzes No 10, Downing Steet. Das dramatische Ausmaß des politischen Umschwungs wurde während der Auszählung der 659 Wahlkreise in der Nacht schrittweise deutlich: Die von Blair in die politische Mitte gerückte "New Labour" reduzierte die bisherige Regierungsfraktion auf halbe Stärke.Bis zum Nachmittag zeichnete sich eine Mehrheit von 181 Mandaten vor der Opposition ab. Nach Auszählung von 641 Wahlkreisen eroberte Labour 146 Mandate mehr als 1992, die Konservativen gaben 177 ab.Die Liberaldemokraten gewannen 29 Mandate hinzu und verdoppelten ihre Unterhauspräsenz.Der Umschwung der Wählerstimmen von den "Tories" zu Labour variierte in den Wahlkreisen zwischen 14 und 20 Prozent.Die Wahlbeteiligung lag mit 71 Prozent leicht unter dem Stand von 1992.Im neuen Parlament werden 120 Frauen sitzen, doppelt soviele wie im letzten Parlament. Überraschend wurde in der nordirischen Hauptstadt Belfast der Vorsitzende der IRA-Partei Sinn Fein, Gerry Adams, ins Unterhaus gewählt.Als unabhängiger Kandidat der "reinen Weste" siegte der BBC-Kriegskorrespondent in Bosnien, Martin Bell, deutlich gegen den korruptionsverdächtigen Ex-Minister Neil Hamilton. Das politische Erdbeben beendete schlagartig die Karrieren einer ganzen Reihe prominenter Regierungsmitglieder.An der Spitze waren die Außen- und Verteidigungsminister Malcolm Rifkind und Michael Portillo sowie Industrie- und Handelsminister Ian Lang.In Schottland und Wales verschwanden die Konservativen völlig von der Bildfläche.Major löste mit seiner Rücktrittsankündigung vom Konservativen Parteivorsitz unmittelbar den Machtkampf um die Nachfolge aus."Wenn der Vorhang fällt, ist es Zeit, die Bühne zu verlassen", sagte er.Als erster erklärte der bisherige Schatzkanzler Kenneth Clarke sein Interesse an der Führungsposition.Er gehört zum pro-europäischen Parteiflügel.Zu den Anwärtern werden auch der gemäßigte Vizepremier Michael Heseltine und der europakritische Ex-Innenminister Michael Howard gezählt.Majors Vorgängerin Margaret Thatcher forderte Blair auf, ihr Erbe nicht zu gefährden.Sie gestand aber ein: "Die Zeiten ändern sich, und wir müssen mit dem Ergebnis leben."

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