• Blair steht vor einer Blamage - Für den "Labour-Dissidenten" Ken Livingston wird ein haushoher Sieg erwartet

Politik : Blair steht vor einer Blamage - Für den "Labour-Dissidenten" Ken Livingston wird ein haushoher Sieg erwartet

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Der Linksabweichler der britischen Labour-Partei, Ken Livingstone, ist am Donnerstag als haushoher Favorit in die erste Direktwahl eines Londoner Bürgermeisters gegangen. Meinungsfragen zufolge kann der Gegner von Premier Tony Blair mit 51 Prozent der Stimmen rechnen. Er tritt als Unabhängiger an. Er war zuvor aus der New Labour ausgeschlossen worden. Sein Sieg wäre die größte Wahlschlappe für Blair seit dessen Wahlsieg 1997. Der Labout-Kandidat Frank Dobson kann den Umfragen zufolge nur mit 14 Prozent rechnen und liegt damit hinter dem Kandidaten der Konservativen, Steve Norris. Mit Ergebnissen wird am heutigen Freitag gerechnet.

Der 54-jährige Livingstone hatte seine Kandidatur unter anderem damit begründet, die Labour-Führung unter Blair habe das Auswahlverfahren zur Kandidaten-Nominierung zu Gunsten Dobsons manipuliert. Blair hatte eine Wahl Livingstones als "Katastrophe für London" bezeichnet. Der Premier wirft Livingstone vor, gegen das Unternehmertum eingestellt zu sein, eine zu laxe Haltung bei der Kriminalitätsbekämpfung zu haben und von Linksextremisten unterstützt zu werden. Livingstone profitiert von einer Stimmung in der britischen Bevölkerung, die den Führungsstil Blairs als herrisch und präsidial empfindet. Der neue Bürgermeister wird künftig für die Bereiche Verkehr, Stadtplanung, Kultur, Umwelt und Wirtschaftsförderung in London zuständig sein. Bislang war die Stadt von den einzelnen Bezirken regiert worden. Livingstone stand in den 80-er Jahren bereits dem Großlondoner Stadtrat vor, der von Premierministerin Margaret Thatcher aufgelöst wurde.

Die fünf Millionen Wahlberechtigten in London waren auch aufgerufen, 25 Abgeordnete einer neuen Stadtversammlung zu wählen. Es wird erwartet, dass Labour dabei die meisten Mandate erringt. Dagegen wird bei den in Teilen Englands stattfindenden Kommunalwahlen mit einem Erfolg der Konservativen gerechnet. Blair hatte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um die Kandidatur Livingstons zu verhindern. Dieser ist der Bannerträger der alten, linkssozialistischen Labour, von der Blair glaubte, dass er sie auf ewig in die historische Rumpelkammer verbannt hatte. Die Londoner sind wild entschlossen, "King Ken" zu einem glanzvollen Comeback zu verhelfen. Die Gegenkandidaten haben daher kaum eine größere Chance als das Schwein, das der Bauernverband als Protest gegen die Landwirtschaftspolitik des Kabinetts für die Bürgermeisterwahl nominiert hatte. In einem letzten verzweifelten Versuch, die Wahl Livingstones zu verhindern, vereinten sich seine Gegner in dem Vorwurf, dass er jene Chaoten unterstütze, die am 1. Mai hinter den Krawallen in London steckten.Weitere Informationen unter

www.london-decides.detr.gov.uk

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