Politik : Blair unter Druck: Noch eine Indiskretion in Downing Street

Der britische Premier Tony Blair gerät zunehmend unter Druck. Mit der Überschrift "Es ist ernst, Tony", veröffentlichten das britische Massenblatt "The Sun" und die "Times" am Mittwoch Auszüge aus einem internen Regierungspapier. Damit ist in London erneut eine vertrauliche Vorlage des Kabinetts an die Öffentlichkeit gelangt, in der das Erscheinungsbild der Regierung unter Blair scharf kritisiert wird. Darin heißt es, die Regierung habe das Vertrauen von großen Teilen der Bevölkerung verloren. Ein Regierungssprecher wertete die Veröffentlichung als einen untauglichen Versuch, die am Dienstag von Schatzkanzler Gordon Brown angekündigte massive Steigerung der Staatsausgaben zu verunglimpfen.

"Irgendetwas ist ernsthaft schief gelaufen, nur was?", wird in dem von Regierungsberater Philip Gould verfassten Papier gefragt. Gould schlägt eine politische Neuorientierung vor. "Wir müssen vom dritten Weg auf eine einzige Richtung umschwenken", meint er. Labour sei in der "Mitte nicht stark genug", die Partei nicht ausreichend modernisiert. "Wir haben mit großer Dynamik angefangen und treiben jetzt ab. Der Wähler misstraut uns. Die Lage ist ernst." Gould, der an die Sterne glaubt und außerdem für einen Euro-Beitritt Londons plädiert, hält es für falsch, dass Labour sich bisher weitgehend auf den Erfolg der Wirtschaftspolitik konzentriert hat, während Familie, Bildung, Verbrechensbekämpfung und sogar "patriotischer Instinkt" vernachlässigt wurden.

Erst am Montag war ein von Blair selbst verfasstes Papier lanciert worden, in dem der Premierminister die Befürchtung äußert, dass seine Regierung sich vom Wahlvolk "entfernt" hat. Die konservative Presse scheint damit die Jagdsaison auf Blair eröffnet zu haben: Sowohl "Sun" als auch "Times" gehören dem Medienmagnaten Rupert Murdoch.

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