Politik : Blairs Kronprinz geht auf Distanz zu den USA

Matthias Thibaut

London - Großbritanniens Schatzkanzler Gordon Brown will neue Akzente in der britischen Politik setzen und nationale Interessen über die enge Beziehung mit den USA setzen. „ Das britische nationale Interesse, das ist es, worum es mir und meinen Kollegen geht“, sagte Brown in einem BBC-Interview, das in der britischen Presse ein breites Echo fand. Brown sagte auch, dass er in diesem Jahr mit einer deutlichen Reduzierung britischer Soldaten im Irak rechne.

Brown verband in seinen jüngsten Äußerungen pflichtschuldiges Lob für Tony Blair mit indirekter Kritik und unterstrich damit seine Position als Anwärter auf das Spitzenamt. Er habe gute Beziehungen zu Demokraten und Republikanern in den USA, betonte er. Brown dürfte eine größere Distanz zu Präsident Bush schon deshalb leichter fallen, weil Bush nach den Kongresswahlen sehr viel weniger Macht hat. Beobachter glauben aber nicht, dass sich an der „special relationship“ Grundsätzliches ändern wird.

Brown deutete auch an, dass sich mit seinem Einzug in Downing Street der Regierungsstil ändern werde. Statt Blairs berüchtigtem präsidialen Regieren, oft über die Köpfe von Parlament und Gremien hinweg, versprach er „eine neue Art von Politik“. So will er dem Parlament mehr Mitsprache einräumen, bevor sie den Krieg erklärt, und die parlamentarische Kontrolle der Sicherheits- und Geheimdienste stärken.

Blair wird wohl im Mai oder Juni zurücktreten. Er könne nicht annehmen, dass er dann automatisch Premier werde, sagte Brown, ließ aber seinen Ehrgeiz durchblicken, als er von einem Programm „für die nächsten zehn Jahre“ sprach.

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