Politik : Blairs schwarze Woche: Schlechtestes Umfrageergebnis seit 1992

Hendrik Bebber

An den Zapfsäulen gibt es wieder Sprit, aber Tony Blair hat nur noch wenige Tropfen Popularität im Tank. Drei große Meinungsumfragen gaben dem britischen Premierminister und seiner Partei eine fürchterliche Quittung für die Benzinkrise: Standen Labours Wahlchancen vor den Protesten auf satten 44 Prozent, so sind sie jetzt auf 34 Prozent gesunken - vier Punkte hinter den Konservativen. Das ist das schlechteste Ergebnis für Labour seit 1992.

Die Auswertung der Antworten auf die Meinungsumfragen ist noch deprimierender: Fast drei Viertel der Wähler machen die Regierung für die hohen Benzinpreise verantwortlich und bestreiten deren Behauptung, dass sie "auf das Volk hört". War Tony Blairs Charisma der stärkste Trumpf der Partei, so ist er nun zu einer Belastung geworden: Seine Popularitätskurve stürzte um 38 Punkte. Nur noch 44 Prozent der Briten glauben, dass er "einen guten Job macht".

Die bange Frage für Labour ist nun, ob diese Umfrageergebnisse nur eine vorübergehende "Fieberkurve" sind, oder eine Prognose für die Wahlen, mit denen im kommenden Jahr gerechnet wird. So sehen es jedenfalls die Liberaldemokraten bei ihrem Parteitag in Bournemouth, der durch Labours Schwierigkeiten einen gewaltigen Auftrieb bekam. Ihr Führer Charles Kennedy stellte dort fest, dass Tony Blair das Opfer der "institutionellen Arroganz" seines Amtes wurde und die Verbindung zu den Wählern verloren habe. Wegen des britischen Wahlrechtes und seiner Direktmandate stellen die Liberaldemokraten eine weitaus größere Gefahr für Labour dar als die Konservativen. Die "Libdems" sind das traditionelle Auffangbecken für unzufriedene Labour-Wähler.

Der plötzliche Aufschwung der Konservativen ist eher als "blaues Auge" zu werten, das die Briten in ihrer Empörung über die Benzinkrise der Regierung verpassten. Labour könnte sich eigentlich damit trösten, dass die von William Hague geführten Konservativen vor der Spritkrise so "unwählbar" waren wie seit Generationen nicht mehr. Sie sind seit John Majors Wahlniederlage ins extrem rechte Lager abgedriftet und haben außer blindem Patriotismus gegen Europa nicht viel zu bieten. Doch durch die Gefahr einer Stimmenspaltung zwischen Labour und den Libdems sind im Moment die Wahlchancen der "Tories" in den Bereich des Möglichen gelangt. William Hague jedenfalls reitet hoch auf der Protestwelle. Der Chef der Konservativen lobte die Demonstranten als "aufrechte Briten".

Nach der "schwärzesten Woche" steht Blair vor der schwierigsten Reparaturarbeit in seiner dreijährigen Amtszeit. Der Premierminister wurde von den Demonstrationen einfach überrollt. Blair steht einem Phänomen gegenüber, das Soziologen so beschreiben: Obwohl es den meisten Briten noch nie so gut ging, sind sie enttäuscht, dass ihr Wohlstand und ihre Zufriedenheit nicht so stark zugenommen haben, wie sie es nach dem Regierungswechsel erwartet hatten.

Blairs harte Linie imponierte den Briten ebenso wenig wie die hektischen Notstandsverordnungen, an denen die Regierung jetzt arbeitet. Obwohl Schatzkanzler Gordon Brown die Benzinsteuer um keinen Penny absenken will, sind Konzessionen im Herbsthaushalt wohl unumgänglich.

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