Politik : Bleibt Scharon auf Dauer im Koma?

Charles A. Landsmann

Tel Aviv - Der Zustand von Ariel Scharon ist nach wie vor „schwierig, aber stabil“. Der israelische Ministerpräsident liegt seit seinem schweren Schlaganfall am 4. Januar im Koma. Das Ergebnis der palästinensischen Parlamentswahlen stellt aus israelischer Sicht so etwas wie eine verspätete Bestätigung der umstrittenen Behauptung Scharons dar, dass Israel „keinen Partner“ für Verhandlungen habe. Wenn Scharon sich schon nicht mit der schwachen Fatah an einen Tisch setzen wollte, so gilt für seinen Stellvertreter Ehud Olmert erst recht das Gleiche mit Blick auf die erstarkte Hamas.

Scharon hat von dem dramatischen Wechsel im Lager der Palästinenser nichts mitbekommen. Obwohl sämtliche Betäubungsmittel seit längerem abgesetzt sind, erwacht er nicht aus seinem tiefen Koma. Diese Woche nahm ihn das Pflegepersonal in der Jerusalemer „Hadassah“-Universitätsklinik erstmals aus dem Bett und setzte ihn auf einen Stuhl – ohne dass er die Augen aufgeschlagen hätte. Zwei Ärzte der zentralen Reha-Klinik „Beit Levinstein“ für schwerste Fälle berieten in der „Hadassah“ mit den behandelnden Ärzten das weitere Vorgehen. Sofort gab es zahlreiche Gerüchte: Scharon sei endgültig in einem vegetativen Zustand und werde deshalb nach „Beit Levinstein“ verlegt, lautete die Vermutung. Offiziell wurde dies weder bestätigt noch dementiert. Ein anderes Gerücht besagte, dass Scharons Söhne Omri und Gilad planen, auf der familieneigenen Farm ein mit allen medizinischen Vorrichtungen ausgerüstetes Krankenzimmer für ihren Vater einzurichten. Bei der jährlichen Herzlia-Konferenz, an der Scharon senior vor zwei Jahren seinen „einseitigen Loslösungsplan“ mitsamt dem aus dem Gazastreifen verkündet hatte, vertrat ihn diesmal sein Stellvertreter Ehud Olmert.

Die Rede des amtierenden Ministerpräsidenten Olmert, die landesweit von allen Sendern übertragen wurde, brachte am Dienstagabend politisch kaum etwas Neues. Wohl gab es aber eine Aufsehen erregende Bemerkung. Erstmals überhaupt sprach Olmert von einer „Regierung unter meiner Führung“ und machte damit klar, dass Scharon endgültig nicht mehr auf die politische Bühne zurückkehren wird.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben