Politik : Blick in die Seele

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Der Arbeitswissenschaftler Rolf Paprotny hat Mitte der 90er Jahre die niedersächsischen Volksvertreter eine Legislaturperiode lang befragt und beobachtet. Er entlockte ihnen zum Teil verblüffende Bekenntnisse.

So räumten sie ein, die Tragweite vieler Beschlüsse nicht ermessen zu können. Sie verlassen sich auf Kollegen, wobei sie sich oft nur als „Stimmvieh" fühlen. Darüber mit Fraktionskollegen zu sprechen, trauen sie sich aber nicht. Die meisten Abgeordneten kommen sich demnach bei Debatten im Plenum als bloße „Saaldekoration" vor. In Ausschusssitzungen werde kaum noch diskutiert. Denn die wegweisenden Entscheidungen fallen schon vorher, in Arbeitskreisen der Fraktionen. Obwohl sie viel arbeiten, einige bis zu 116 Stunden in der Woche, bringen die Abgeordneten nach eigener Einschätzung in ihrer Parlaments und Wahlkreisarbeit nur wenig Vorzeigbares zustande. Tsp

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