Politik : Blick von draußen

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Nehmen wir uns ein ernstes Thema vor. Wie wird Deutschland von außen gesehen? Gerade sind Chefredakteure asiatischer Zeitungen vier Tage lang in der Bundesrepublik gewesen; die Regierung hatte sie eingeladen. Zum Abschied, vor dem Weiterflug nach Brüssel, wurden sie gefragt, wie denn nun ihre Eindrücke von Deutschland aussähen. Vom jungen Chinesen, der erstmals in Europa ist, zum alten Inder, der von den Briten das Faible fürs Militärhistorische geerbt hat und die Alte Welt kennt: Hier also die Impressionen kluger Asiaten aus dem deutschen Spätherbst. „Früher rang dieses Land mit den Gespenstern seiner Vergangenheit, jetzt mit den Geistern der Zukunft." Oder: „Ich dachte, ich käme in ein selbstbewussteres Land, aber daran zweifle ich jetzt." Und: „Deutschland erscheint mir eigentümlich selbstbezogen, völlig seiner Nabelschau verfallen; jenseits des Tellerrands gibt es allenfalls noch Europa." Zuletzt: „Hier wird wohl intensiv diskutiert, ob das Volk vor der Wahl belogen wurde. Mir erscheint es, als lebe hier ein Volk, das belogen werden will." Recht eindringlich - nach vier Tagen. Und noch etwas gaben die Besucher unisono von sich, ob sie nun aus Bangkok oder Peking, Delhi oder Tokio, Jakarta, Singapur oder Kuala Lumpur kommen. Der deutsche Blick auf Asien sei sehr auf das Ökonomische und auf „die Großen" beschränkt. Japan, China, Indien, Korea – Südostasien nur am Rande. Letzter Konsens: Von Europa wird erwartet, Amerika zu zügeln: „Nur Ihr könnt das, nur wenn Ihr das macht, können wir dem folgen." Soweit also Berlin-Eindrücke und Berlin-Erwartungen kluger Besucher. Und jetzt schließen wir mit keinem Witz, sondern denken einfach nach.

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