Blinddarm-Operationen : Kinder kommen in Berlin seltener unters Messer

In Berlin gibt es deutlich weniger Blinddarmoperationen bei Kindern als in anderen Bundesländern. Das kann ein gutes Zeichen sein.

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In Berlin kommen Kinder seltener wegen einer Blinddarmoperation unters Messer als in anderen Bundesländern.
In Berlin kommen Kinder seltener wegen einer Blinddarmoperation unters Messer als in anderen Bundesländern.Foto: picture alliance / dpa

In Berlin werden Kinder deutlich seltener am Blinddarm operiert als in anderen Bundesländern. Das ist einer regionalen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) von Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2014 zu entnehmen, die jetzt veröffentlicht wurde. Demnach unterzogen sich 128 von 100 000 Kindern in einem Berliner Klinikum einer Blinddarmoperation. Das ist im bundesweiten Vergleich die zweitniedrigste Rate. In Thüringen waren es mit 229 Fällen fast doppelt so viele. In Brandenburg lag die Quote bei 166 Fällen.

Bundesweit kamen 2014 mehr als 18.000 Kinder unter 15 wegen einer Blinddarm-Operation unters Messer. Die regionalen Unterschiede sind dabei beträchtlich: Während in Bremen auf 100.000 Kinder 95 chirurgische Eingriffe kamen, waren es in Nordrhein-Westfalen 183 und in Bayern 208.

Diese großen Spannen dürften „medizinisch kaum zu erklären sein", sagte der TK-Krankenhausexperte Jörg Manthey. Die Diagnose für eine Blinddarmentzündung sei aufgrund der unspezifischen Symptome nicht einfach zu stellen. Und bei Kindern ist die Sache noch komplizierter - schon weil sie die Schmerzen oft weniger genau lokalisieren können. Bei ihnen kommt, anders als bei Erwachsenen, beispielsweise wegen der Strahlenbelastung auch eine Computertomografie zur genaueren Abklärung nicht in Frage.

Es müsse stets abgewogen werden, ob eine Operation nötig sei, mahnte der Kassenexperte. Vor dem Hintergrund der viel diskutierten Klinikkeime und damit verbundenen Risiken „sollte ein stationärer Aufenthalt gerade bei Heranwachsenden nur erfolgen, wenn er unumgänglich ist“.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft reagierte vergrätzt auf diese unterschwellige Kritik. Blinddarmoperationen bei Heranwachsenden würden durchgeführt, wenn sie medizinisch indiziert seien, sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum. "Wer regionale Unterschiede nicht erklären kann, sollte sich hüten, zu spekulieren oder gar, wie es bei der TK mitschwingt, überflüssige Operationen zu unterstellen." Sicher jedenfalls sei, "dass ein zu spät operierter Blinddarm mit allerhöchstem Risiko für die Kinder einhergeht".

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