Politik : Bloß kein falsches Wort

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Die Bioethik gleicht einem Minenfeld. Schon ein falsches Wort kann zur Explosion führen. Die Sprachverwirrung ist groß, weil Begriffe unterschiedlich benutzt werden und ihre Bedeutung verändern. Jüngstes Beispiel: der Ausdruck „Totipotenz“. Er besagt, dass eine Zelle die Fähigkeit besitzt, zu einem Organismus heranzuwachsen. Dem Deutschen Hans Schöler gelang es, aus Stammzellen Eizellen zu züchten, die sich ihrerseits in Jungfernzeugung zu primitiven Embryonen (Blastocysten) entwickelten. Eindeutig „Totipotenz“, sagte Schöler. Juristen waren alarmiert: Wenn sich aus Stammzellen „ganze“ Menschen entwickeln, weil diese „totipotent“ sind, dann gehört diese Forschung per Gesetz verboten.

In Wahrheit aber sind die Zellen zwar in einem gewissen biologischen Sinn totipotent, jedoch nicht in der Weise, wie die Juristen den Begriff benutzen: die Blastocysten sind nicht entwicklungsfähig, sie sterben ab. Also nicht totipotent, sondern schlicht: tot. wez

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