Politik : „Bloß nicht drängen lassen“

Zahnärzte warnen vor Eile bei Abschluss von Zusatzversicherung

Rainer Woratschka

Berlin. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) rät davon ab, schon jetzt Zusatzversicherungen für Zahnersatz abzuschließen. Die Versicherten sollten sich bloß nicht drängen lassen und erst entscheiden, „wenn die Zahlen auf dem Tisch sind und der Dschungel der Angebote analysiert ist“, sagte KZBV-Vorsitzender Jürgen Fedderwitz. Von 2005 an müssen gesetzlich Versicherte ihren Zahnersatz zusätzlich absichern. Entscheiden können sie zwischen Grundversorgung, privaten Zusatztarifen und kompletter Privatabsicherung. Zum 30. Juni soll die Regelversorgung definiert sein. Und erst zum 30. September steht die Höhe der Festzuschüsse und damit die der Versicherungsprämien fest.

Laut Fedderwitz gibt es auch keinen Grund, wegen der Umstellung „noch in diesem Jahr zum Zahnarzt zu rennen“. Im Gegenteil: „Wer den Fortschritt will, soll warten.“ Die Höhe der befundorientierten Festzuschüsse ab dem Jahr 2005 entspreche aller Voraussicht nach „in den allermeisten Fällen“ den bisherigen Kassenzuschüssen. Und hinzu kämen dann etwa Zuschüsse für Zahnimplantate, die es bislang gar nicht gebe. Heftige Kritik übten die Zahnärzte an der geplanten elektronischen Gesundheitskarte. „Es kann nicht sein, dass wir für etwas zahlen müssen, von dem wir keinen Nutzen haben“, so KZBV-Vorstand Günther Buchholz. In den Praxen müssten für Programme und Lesegeräte rund 294 Millionen Euro investiert werden, obwohl fast nur die Krankenkassen davon profitierten. Die Liste von Vorerkrankungen und Infektionsrisiken auf der Karte sei nicht verlässlich, da alle Angaben auf Freiwilligkeit beruhten. Und Überweisungen oder Rezepte, die optimiert werden sollen, spielten bei Zahnärzten „so gut wie keine Rolle“.

Sollten die Kassen, wie geplant, die Teilnahme an Hausarztmodellen mit dem Erlass der Praxisgebühr honorieren, müsse auch das Eintrittsgeld bei Zahnärzten wegfallen, forderte der KZBV-Chef. „Wir haben längst einen Hauszahnarztstatus.“ Einer Allensbach- Umfrage von 2002 zufolge gehen 87 Prozent immer zum selben Zahnarzt – die Patiententreue sei noch höher als bei Frauenärzten, sagt Fedderwitz.

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