Politik : Blüm: Man muss dazwischengehen

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Berlin (cas). Der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Blüm hat sich energisch gegen Vorwürfe des Antisemitismus zur Wehr gesetzt. Blüm hatte das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser als „Vernichtungskrieg“ kritisiert. Dem Tagesspiegel sagte Blüm am Donnerstag, wenn „unbequeme Wahrheiten sofort mit dem Hammer des Antisemitismus zusammengeschlagen“ würden, sei das eine „Form von Denkverbot“. Er aber lasse sich das Denken und das Reden nicht verbieten. Blüm fügte hinzu: „Und jene Israelis, die in Israel gegen Premier Scharons Politik auf die Straße gehen – mit kräftigen Worten –, sind so wenig Antisemiten wie ich.“

Er sei ein Freund Israels, betonte Blüm, der die palästinensischen Selbstmordattentate als „barbarisch“ verurteilte. Israel müsse aber wissen, dass es Freunde verliere, wenn es mit „blindwütigem Hass“ reagiere. Er teile die Sehnsucht nach einer sicheren Heimat. „Aber so kommen beide nicht weiter. So kommt das Leid erst zu einem Ende, wenn niemand mehr da ist. Das ist keine Lösung.“ Jetzt sei „nicht die Zeit diplomatischer Verklausulierungen“, sagte Blüm. „Man muss dazwischengehen.“

Die Debatte um seine Kritik hält an. Der neu gewählte Berliner CDU-Chef Christoph Stölzl rügte, wer weder mit dem Kopf noch mit dem Herzen denken könne, solle den Mund halten. Blüm, der lange Jahre stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender war, forderte Stölzl auf, vom „hohen Ross“ herunterzusteigen. „Es denkt nicht nur der, der so denkt wie Herr Stölzl.“ Blüm verwahrte sich gegen dessen „arrogantes Monopol“.

Auf eine Diskussion über den Vorwurf, er sei antisemitisch oder rassistisch, lasse er sich nicht ein, sagte der Christdemokrat. „Denn ich gehöre einer Religion an, in deren Glauben alle Menschen Kinder Gottes sind. Und der, an den ich glaube, war Semit.“ Er bestreite nicht, dass es antisemitische Ressentiments gebe, „aber wir sind kein Volk von Antisemiten“, sagte Blüm. Sein Engagement gelte den Menschenrechten. Eine Lehre aus der deutschen Vergangenheit sei, dass „gerade wir Deutsche immer an einer Zukunft mitarbeiten müssen, in der niemand gequält, gefoltert oder ermordet wird“.

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