Politik : Blutbad eines Israelis sollte Abkommen über Hebron verhindern

Sieben Menschen durch Schüsse zum Teil schwer verletzt Hebron (AFP/AP).Die Gegner einer friedlichen Einigung im Nahen Osten geben nicht auf.Am Neujahrstag eröffnete ein israelischer Soldat mit der erklärten Absicht, das zwischen Israel und den Palästinensen angestrebte Hebron-Abkommen zu verhindern, das Feuer auf Palästinenser.Bevor er von Kameraden überwältigt werden konnte, schoß der Soldat auf dem Marktplatz von Hebron ein ganzes Magazin seines Sturmgewehrs leer.Sieben Menschen wurden dabei verletzt, zwei von ihnen schweben noch in Lebensgefahr.Israels Regierungschefs Netanjahu verurteilte die Tat in einem Telefonat mit Palästinenserführer Arafat.Er erklärte, ein Abkommen über den Rückzug der Armee aus Hebron sei umso notwendiger. Die Verhandlungen über das Abkommen waren zum Jahreswechsel in eine entscheidende Phase getreten.Ein Sprecher Netanjahus dämpfte jedoch die Erwartungen über eine unmittelbar bevorstehende Unterzeichnung und erklärte, es gebe noch keine endgültige Einigung. Der Attentäter, ein 19jähriger aus einer jüdischen Siedlung im Westjordanland, sagte bei seiner Vernehmung, er habe mit seiner Aktion die Hebron-Gespräche torpedieren wollen.Augenzeugen berichteten, der Mann habe auf dem belebten Platz plötzlich zu schießen begonnen.Der Täter habe Uniform getragen, sich auf den Boden gelegt und zehn bis 15 Salven aus seinem M-16-Sturmgewehr abgefeuert, ehe er von israelischen Soldaten überwältigt worden sei.Der Vorfall ereignete sich an der Straße, in der die meisten der 400 jüdischen Siedler wohnen.Die Armee sperrte das Gebiet ab und erklärte es zur verbotenen "Militärzone".Palästinenser zogen durch die Straßen und warfen Steine auf israelische Soldaten. Netanjahu rief sofort nach der Tat Arafat an.Dabei zeigte er sich schockiert über das Verbrechen.Er rief die Einwohner Hebrons zur Zurückhaltung auf.Vor Journalisten in Jerusalem sagte er: "Ich will, daß eins klar ist: Das Abkommen ist notwendig, auch um solche Gewalttaten zu verhindern.Wir müssen einen Schlußpunkt setzen.Kein Verbrechen kann uns aufhalten." Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erakat sagte, die Bluttat zeige, daß im Hebron-Abkommen auch die Sicherheit der Palästinenser geregelt werden müsse.Die Verhandlungen darüber wurden auch am Mittwoch fortgesetzt.Ursprünglich hatte es geheißen, Arafat und Netanjahu könnten noch vor der Jahreswende zusammenkommen und das Abkommen paraphieren.Nach einem Gespräch mit Arafat am Dienstag abend aber stellte der US-Nahostbeauftragte Dennis Ross die baldige Unterzeichnung wieder in Frage. Der Teilabzug aus Hebron sollte eigentlich schon im März erfolgen.Netanjahu hatte ihn aber nach seiner Wahl zum Regierungschef immer wieder verzögert und weitere Sicherheiten für die etwa 400 jüdischen Siedler gefordert, die in Hebron neben 120.000 Palästinensern leben.Zuletzt gab es vor allem Streit über die Forderung Arafats, am Grabmal der Patriarchen in Hebron auch palästinensische Polizisten einzusetzen.Dies werde von Israel weiterhin abgelehnt, sagte am Mittwoch ein Regierungssprecher. Das israelische Parlament verabschiedete am Mittwoch den Haushalt für 1997, der unter anderem mehr Gelder für jüdische Siedlungen in den palästinensischen Gebieten und auf den Golanhöhen vorsieht.In dritter Lesung stimmten 60 Abgeordnete für die Vorlage, 42 votierten dagegen.Das Budget beläuft sich auf umgerechnet 86,3 Milliarden Mark und sieht eine strikte Sparpolitik vor.

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