Blutige Ausschreitungen in Libyen : Feuer auf die Menschenmenge

Libyen kommt nicht zur Ruhe, erneut gab es heftige Ausschreitungen. Es sind mehrere Tote und viele Verletzte in Tripolis zu beklagen. Anlass waren ein Marsch zum Sitz der Miliz nach den Freitagsgebeten.

Eines der Opfer der Proteste wird zu Grabe getragen.
Eines der Opfer der Proteste wird zu Grabe getragen.Foto: dpa

Nach dem Tod dutzender Demonstranten in Libyen sind heftige Gefechte zwischen rivalisierenden Milizen ausgebrochen. Bei den Kämpfen sei ein Mensch getötet und acht weitere verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Lana. Grund für die neue Gewalt waren die blutigen Zusammenstöße zwischen Bürgern in Tripolis und Milizionären aus Misrata am Vortag.

Nach Angaben des Innenministeriums kamen mindestens 43 Menschen ums Leben, mehr als 460 Menschen wurden verletzt. Demonstranten waren nach dem Freitagsgebet zum Sitz der Miliz in der Hauptstadt gezogen.
Sie wollten die Kampfbrigade vertreiben. Doch bewaffnete Kämpfer eröffnete das Feuer auf die Menschenmenge. Wie die Agentur Lana ferner berichtete, gaben Politiker aus Misrata der Stadtverwaltung in Tripolis die Schuld an dem Blutbad. Die Behörden hätten die Demonstranten auf andere Plätze lenken sollen und nicht zulassen sollen, dass der Marsch zum Hauptquartier der Brigade geht, hieß es.

In Tripolis wurden derweil drei Tage Trauer ausgerufen. An einem Gedenken an die Toten nahmen im Zentrum der Stadt Hunderte Bürger teil. Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich bestürzt über die jüngste Eskalation und erklärte: „Die Ereignisse sind ein ernstes Warnzeichen.“ Er rief „Regierung, Parlament und alle politischen Kräfte nachdrücklich auf, sich für einen friedlichen und demokratischen Übergangsprozess in einem geeinten Libyen einzusetzen“.


Erst vor einer Woche hatten sich rivalisierende Milizionäre in Tripolis heftige Gefechte geliefert. Dabei war ein Mann getötet worden. Auslöser war damals ein Streit zwischen einem Milizionär aus Misrata und lokalen Milizen an einer Straßensperre. Viele „Revolutionsbrigaden“, die im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi stark wurden, wollen sich bis heute weder entwaffnen noch in den staatlichen Sicherheitsapparat eingliedern lassen. Im Oktober wurde Ministerpräsident Ali Seidan zeitweise von Bewaffneten entführt. (dpa)

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