Politik : Blutige Konflikte in Peru

Sandra Weiss

Puebla - Bei schweren Zusammenstößen zwischen der peruanischen Polizei und demonstrierenden Indios sind bis zu 45 Menschen getötet worden. Damit ist der seit fast zwei Monaten andauernde und bisher weitgehend friedliche Protest der Amazonas-Indios gegen die Erdölförderung eskaliert. Die Indios hätten im Norden des Landes neun von insgesamt 38 entführten Polizisten umgebracht, meldete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die Regierung in Lima. Weitere 22 Beamte hätten fliehen können, davon einer schwer verletzt, sagte Verteidigungsminister Ántero Flores Aráoz.

Der schwere soziale Konflikt in Peru droht, sich zu einer Regierungskrise auszuwachsen. Dem örtlichen Polizeichef zufolge kam es am Freitag bei der Räumung einer seit einer Woche blockierten Straße in der Nähe der Stadt zu Schusswechseln zwischen den Uniformierten und den Demonstranten. Rund 2500 Indigenas hatten die Straße mit Steinen und Stöcken blockiert, um gegen das neue Bergbaugesetz zu protestieren. Im Anschluss an die gewaltsame Räumung entglitt den Sicherheitskräften die Kontrolle. Eine aufgebrachte Menschenmenge stürmte die Polizeistation und setzte öffentliche Gebäude in Brand. Andere besetzten die Pumpstation des staatlichen Erdölkonzerns Petroperu und drohten damit, die Anlage in die Luft zu jagen, wenn die Polizei sie räumen wolle.

Innenministerin Mercedes Cabanillas verhängte von der 1500 Kilometer entfernten Hauptstadt Lima aus den Ausnahmezustand. Sie warf Indigenaführer Alberto Pizanga vor, für das Blutvergießen verantwortlich zu sein. Er habe seine Brüder mit Falschinformationen aufgestachelt. Die Justiz hat Haftbefehl gegen Pizanga wegen „Rebellion“ erlassen. Pizanga hingegen warf Präsident Alan Garcia vor, ein „Blutbad“ und einen „Völkermord“ angerichtet zu haben. Ihm zufolge gibt das Gesetz Bergbau- und Erdölkonzernen nahezu freie Hand bei der Erschließung und Förderung von Bodenschätzen im Amazonasgebiet. Die Belange der Umwelt und der ansässigen Bevölkerung würden mit Füßen getreten. Die Indigenas fordern ein Mitspracherecht bei der Konzessionsvergabe.

Garcia rechtfertigte die Gewaltanwendung. Er warf den Demonstranten vor, „Investitionen zu hassen“ und das Gesetz nicht verstanden zu haben. Es gehe darum, dass Peru nicht weiter von Erdöleinfuhren abhänge. Oppositionsführer Ollanta Humala bedauerte, dass die Regierung auf Repression setze. Sandra Weiss

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