Blutiger Freitag : Tote und Verletzte bei Protesten in Syrien und im Jemen

Viele Tote in Syrien, Hunderttausende demonstrieren gegen den Präsidenten im Jemen, Zehntausende in Ägypten für einen Bruch mit dem alten Regime: In der arabischen Welt war der Freitag einmal mehr ein Tag der Bürger, die um ihre Rechte kämpfen.

Videos zeigen, wie sich Tausende Menschen am Freitag im Süden der Stadt Deraa auf einem Platz versammelten.
Videos zeigen, wie sich Tausende Menschen am Freitag im Süden der Stadt Deraa auf einem Platz versammelten.Foto: Reuters

Die Proteste in Syrien entwickeln sich zum Flächenbrand, das Regime antwortet weiter mit Gewalt: Bei Kundgebungen erschossen Angehörige der Sicherheitskräfte und Scharfschützen in Zivil am Freitag laut Augenzeugen 13 Demonstranten. Dutzende Menschen wurden verletzt. Landesweit gingen wieder Tausende auf die Straßen, um mehr Freiheit und demokratische Reformen zu verlangen.

Augenzeugen berichteten, alleine in der südlichen Stadt Daraa seien zwölf Menschen getötet worden, als Angehörige der Sicherheitskräfte das Feuer auf rund 4000 Demonstranten eröffneten.

In der westlichen Stadt Homs wurde ein weiterer Kundgebungsteilnehmer erschossen. In Deir al-Sor nahe der irakischen Grenze droschen Schlägertrupps auf Demonstranten ein. In der Hafenstadt Latakia gingen nach dem Freitagsgebet ebenfalls Hunderte Regimegegner auf die Straßen. Sie riefen: „Welche eine Schande, Schüsse auf friedliche Demonstranten.“ Präsident Baschar al-Assad hatte in den vergangenen Tagen einige Reformen verkündet, um die Protestbewegung zu stoppen, die im März begonnen hatte. Er hob die Arbeitsbeschränkungen für Frauen mit Gesichtsschleier auf und ordnete die Verleihung der syrischen Staatsbürgerschaft an rund 250 000 staatenlose Kurden an. In der hauptsächlich von Kurden bewohnten Stadt Kamischli riefen einige Demonstranten: „Die Staatsangehörigkeit ist kein Ersatz für die Freiheit.“

Auch im Jemen gingen am Freitag Hunderttausende auf die Straße, um ihrer Forderung nach einem Abgang des ungeliebten Staatschefs Ali Abdullah Salih Nachdruck zu verleihen. Dieser zeigte sich unbeeindruckt und lehnte einen Kompromissvorschlag der arabischen Golfstaaten für eine Übergangsregelung ab. In der südlichen Stadt Taiz wurden ein Demonstrant von der Polizei erschossen und 19 weitere verletzt, wie Augenzeugen berichteten.

Vor Zehntausenden Anhängern in der Hauptstadt Sanaa sagte Salih: „Unsere Macht leitet sich von der Macht unseres großartigen Volkes ab, nicht von Katar oder sonst jemandem. Dies ist eindeutig eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Jemen.“ Die Initiative der Golfstaaten, unter ihnen Katar, sieht vor, dass Salih zurücktritt, sein Amt für eine Übergangszeit in die Hände von Vize-Präsident Abdu Rabo legt und im Gegenzug dafür Straffreiheit zugesichert bekommt.

In Ägypten, wo eine erfolgreiche Protestbewegung Präsident Husni Mubarak im Februar zum Rücktritt gezwungen hatte, demonstrierten am Freitag Zehntausende Menschen für einen endgültigen Bruch mit dem alten Regime. Dazu zählen zügigere Gerichtsverfahren gegen ehemalige Regimegrößen wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und die Auflösung der Mubarak-Partei NDP. Die Demonstrationen in Kairo, Alexandria und Suez standen unter dem Motto „Freitag der Reinigung und des Gerichts“.

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo, dem Zentrum der Massenproteste im Januar und Februar, war es die größte Kundgebung dieser Art seit Wochen. Seit Mubaraks Sturz hatten die Anhänger der Demokratiebewegung regelmäßig freitags demonstriert, um einen echten Bruch mit dem alten Regime noch nicht vom Tisch ist.

Immer wieder wurde am Freitag die Parole gerufen: „Das Volk will den gestürzten Präsidenten aburteilen!“ Außerdem waren auffallend viele Fahnen anderer arabischer Staaten zu sehen, in denen die Regime den Forderungen nach Demokratie und Menschenrechten teilweise immer noch mit Gewalt begegnen. Darunter waren die alte libysche Flagge, die von den dortigen Regimegegnern verwendet wird, sowie die Fahnen von Jemen, Syrien, des Irak und der Palästinenser. (dpa)

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