BND-Affäre : Sex, Crime – und ein Geheimdienst

Ein BND-Mann im Kosovo soll seinem Freund Geheimnisse verraten haben. Jetzt stehen beide vor Gericht.

 Frank Jansen

Berlin - Die Geschichte klingt nach deftigem Boulevard. Ein Spionagethriller mit schwulem Sex und miesem Crime scheint den affärengeplagten Bundesnachrichtendienst nun auch noch getroffen zu haben. Ein verheirateter Oberstleutnant im Dienst des BND, der 42-jährige Anton K., soll 2007 und 2008 im Kosovo seinem Freund, dem 29 Jahre alten Mazedonier Murat A., Staatsgeheimnisse verraten haben. Und A. gab, so sieht es die Bundesanwaltschaft, das geheime Wissen weiter. An mafiose Kreise im Kosovo und in Mazedonien. Und womöglich an die Geheimdienste Mazedoniens, Serbiens, Albaniens „und an das, was die Republik Kosovo selbst an Geheimdienst aufbaut“, wie es in Sicherheitskreisen heißt.

Der „operative Schaden“ sei groß. Der BND habe die Kontakte zu mindestens 19 regionalen „Informationsquellen“ abbrechen müssen. Entsprechend reduziert seien Berichte an die Bundesregierung ausgefallen.

Der Berufssoldat und der Mazedonier müssen sich vom heutigen Mittwoch an vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Offizier das „Offenbaren von Staatsgeheimnissen in einem besonders schweren Fall“ vor. Bei A. geht es um „Auskundschaften von Staatsgeheimnissen“. Außerdem sollen die beiden Männer „Betrug in mehreren besonders schweren Fällen“ begangen haben.

Anton K. war von Februar 2005 bis März 2008 BND-Resident am Deutschen Verbindungsbüro in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. Der Oberstleutnant hielt die Kontakte zu örtlichen Informanten des Nachrichtendienstes und schrieb entsprechende Berichte. Sie wurden mit dem Stempel „Operative Verschlusssache – amtlich geheim halten“ über ein gesichertes Netz an die BND-Zentrale im bayerischen Pullach übermittelt. Von Juni 2005 an arbeitete Murat A. mit Genehmigung des BND für den Residenten als „Sprachmittler“. Der Mazedonier dolmetschte bei Gesprächen mit Informanten von K. und übersetzte Schreiben. Irgendwann 2005 kamen sich die Männer auch privat näher. Im März 2007 zog Murat A. in K.s Dienstwohnung.

Im Jahr 2007 sei der BND misstrauisch geworden, sagen Sicherheitskreise. Recht schnell wurde die Bundesanwaltschaft eingeschaltet – wegen des Verdachts auf Landesverrat. Es heißt, bei den Ermittlungen habe sich herausgestellt, dass Anton K. seinem Freund ein vertrauliches Dokument eines europäischen Partnerdienstes, vermutlich des britischen, überließ. Außerdem soll Murat A. von K. Informationen über die organisatorische und personelle Struktur des BND erhalten haben.

Und dann gibt es da noch die Betrugsvorwürfe. Anton K. und Murat A. sollen den BND auch finanziell geschädigt haben. Es geht um 22 Rechnungen, in denen Anton K. für Murat A. fiktive Verdienstausfälle wegen dessen Tätigkeit für den BND geltend gemacht haben soll. Die Beträge schwankten zwischen 100 und 1500 Euro, insgesamt kamen laut Bundesanwaltschaft 14 700 Euro zusammen. Die beiden Angeklagten sollen sich damit zwei Jahre lang eine zusätzliche Einnahmequelle verschafft haben.

Im März 2008 nahmen Beamte des Bundeskriminalamts Anton K. und Murat A. in München fest. Doch die Beweislage war dünn, die Männer kamen frei. Ein Jahr später wurden K. und A., die inzwischen in einer Wohnung bei Stuttgart zusammenlebten, erneut abgeholt. Die Untersuchungshaft dauerte zwar nur sechs Wochen, doch die Tatvorwürfe reiften zur Anklage. Dem BND bleibt vielleicht nur ein Trost: Es gibt offenkundig keine Verbindung zur Affäre um drei Mitarbeiter, die Ende 2008 von den kosovarischen Behörden mit der falschen Begründung festgenommen wurden, an einem Anschlag beteiligt gewesen zu sein.

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