Politik : BND ermittelt in der Sahara

Fischer trifft Algeriens Regierung / Noch ein Deutscher entführt

Ralph Schulze

Algier/Madrid (ze). In das Geiseldrama um inzwischen 32 europäische Urlauber in Algerien schaltet sich der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) nach Informationen des Tagesspiegels nun auch direkt ein. Angeführt von BND-Präsident August Hanning reiste eine Delegation des Nachrichtendienstes am Montag mit Außenminister Joschka Fischer (Grüne) nach Algier, um dort mit der algerischen Führung das weitere Vorgehen zu besprechen.

Zugleich wurde dem Tagesspiegel aus westlichen Sicherheitskreisen bestätigt, dass ein weiterer deutscher Urlauber in der Sahara entführt wurde. Somit befinden sich nun 16 Deutsche, zehn Österreicher, vier Schweizer, ein Schwede und ein Niederländer in der Gewalt der Kidnapper. Einzelheiten zum neuen Entführungsfall, der den Sicherheitsbehörden schon länger bekannt, aber im Zuge der allgemeinen Informationssperre nicht veröffentlicht worden war, wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Mit dem Besuch von Außenminister Fischer in Algier erhöht die deutsche Regierung den diplomatischen Druck auf die algerische Führung, das nun schon fast drei Monate dauernde Geiseldrama zu beenden. Ein westlicher Diplomat sprach von einem „sehr zähen Informationsfluss“, umso wichtiger sei es, „den politischen Faden nicht abreißen zu lassen". Fischer, der sich in Algier mit Staatspräsident Abdelasis Bouteflika und Außenminister Abdelasis Belkhadem traf, dankte der algerischen Führung „für ihre Bemühungen“ bei der Suche nach den Entführten. „Wir wollen unsere Landsleute so bald wie möglich sicher und gesund nach Hause bringen“, sagte Fischer in der algerischen Hauptstadt.

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