Politik : BND sieht Assads Armee auf dem Vormarsch Geheimdienste: Kehrtwende im Bürgerkrieg

Syrische Rebellen gelten als zerstritten.

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Deckung suchen. Ein Rebell in der zum Teil zerstörten Stadt Daraa. Foto: AFP
Deckung suchen. Ein Rebell in der zum Teil zerstörten Stadt Daraa. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Das Regime des syrischen Diktators Baschar al Assad erkämpft sich offenbar ein Kerngebiet, in dem es dann noch länger herrschen könnte. Sicherheitskreise bestätigten am Mittwoch einen Bericht von „Spiegel Online“, wonach der Bundesnachrichtendienst (BND) jetzt davon ausgeht, dass sich Assad vorerst an der Macht halten kann. Der BND hatte bislang den Zusammenbruch des Regimes noch für 2013 prophezeit. Es sei Assads Streitkräften gelungen, ein Territorium zwischen Damaskus und der Mittelmeerküste weitgehend zu sichern, sagten Experten. Der Staatschef werde in diesem Teil des Landes als eine Art Warlord herrschen, während sich in anderen Regionen Kriegsherren und Gruppierungen der Rebellen etablierten. Syrien drohe somit ein ähnliches Szenario wie im Nachbarland Libanon. Dort war der Staat nach Ausbruch des Bürgerkrieges 1975 in verschiedene Territorien zerfallen, die von Warlords dominiert wurden. Der BND selbst äußerte sich am Mittwoch nicht.

Auch wenn Assad nicht in der Lage sei, ganz Syrien wieder unter seine Kontrolle zu bringen, sei er im Süden des Landes weiterhin stark, sagten Experten. Der Diktator stütze sich auf die loyal zu ihm stehenden Teile der Armee, auf die Kämpfer der schiitisch-libanesischen Hisbollah-Miliz und auf die zwischen der Hauptstadt Damaskus und der Hafenstadt Homs lebenden Alewiten. Dieser religiösen Minderheit gehört auch der AssadClan an.

Dass der BND seine Prognosen zum syrischen Bürgerkrieg ändert, habe sich seit einigen Wochen abgezeichnet, hieß es in Sicherheitskreisen. Ausschlaggebend seien neue Analysen der amerikanischen und israelischen Nachrichtendienste. Sie hätten noch vor einem halben Jahr gesagt, es sei nur eine Frage der Zeit, wann das Assad-Regime falle. Dann habe sich im Frühjahr eine Kehrtwende abgezeichnet. Die Nachrichtendienste der USA und Israels sprächen nun davon, dass sich Assads Regime stabilisiere. Es werde sogar nicht mehr ausgeschlossen, dass der Diktator den Krieg politisch überleben könne. Die Rebellen seien zu sehr zersplittert, hieß es, außerdem hätten sie Probleme, in den von ihnen eroberten Regionen die Versorgung der Bevölkerung zu organisieren. Ein Kriegsszenario, das jetzt als plausibel gelte, sei ein Patt.

Das ist aus Sicht deutscher Experten eine gefährliche Entwicklung – auch für die Bundesrepublik selbst. Befürchtet wird, dass islamistische Gruppierungen mit Verbindungen zu Al Qaida, also vor allem die Al-Nusra-Front, in Syrien eine Art Klein-Afghanistan etablieren. Dann kämen noch mehr militante Islamisten aus Deutschland nach Syrien, würden terroristisch ausgebildet und könnten Kampferfahrung sammeln. Außerdem werde bei einem Patt die Konfrontation sunnitischer und schiitischer Islamisten zunehmen. Womöglich drohe Deutschland dann ein Stellvertreterkonflikt zwischen Salafisten und Anhängern der libanesischen Hisbollah. Frank Jansen

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