Politik : BND warnt vor Zerfall von Staaten

Frank Jansen

Berlin - Mit wachsender Sorge beobachten in- und ausländische Sicherheitsexperten den Zerfall staatlicher Autorität in mehreren Ländern Asien, Afrikas und Lateinamerikas sowie in Teilen des Balkans. Mehr als zwei Milliarden Menschen und damit ein Drittel der Weltbevölkerung lebten „in Räumen begrenzter Staatlichkeit“, sagte der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, am Donnerstag bei einem Symposium seiner Behörde in Berlin. Das Phänomen der „failed states“ sei mit beträchtlichen Gefahren für die internationale Sicherheit verbunden. Uhrlau nannte die Destabilisierung ganzer Regionen, massive Fluchtbewegungen und die Förderung des Terrorismus.

Als abschreckendes Beispiel, vor allem für den letztgenannten Punkt, erwähnte der BND-Chef Afghanistan in der Zeit der Herrschaft der Taliban. Erst das Fehlen einer legitimen staatlichen Autorität habe es den Taliban und Al Qaida ermöglicht, das Land zu einem Stützpunkt des islamistischen Terrors auszubauen.

Die Terrorgefahr kann sich allerdings auch durch das unkontrollierte Wachstum von Megastädten in Ländern mit schwacher staatlicher Autorität erhöhen. Als Beispiel wurde auf dem Symposium die mehr als zehn Millionen Einwohner zählende pakistanische Hafenmetropole Karatschi genannt. Dort haben sich zahlreiche militante Islamisten eingenistet. Herausragendes Beispiel war der Jemenit Ramsi Binalshibh, einer der Chefplaner des Terrorangriffs vom 11. September 2001. Der Jemenit tauchte nach den Anschlägen in Karatschi unter, wo er im September 2002 festgenommen wurde.

Als weitere Gefahr nannte Uhrlau auf dem Symposium die Erosion des Gewaltmonopols in schwachen Staaten durch die Übernahme von Sicherheitsaufgaben durch private Firmen. Frank Jansen

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