Politik : Bodewig im Bremserhäuschen?

Jürgen Zurheide

Als der Name Kurt Bodewig fällt, zieht der Gesprächspartner die Stirn in Falten. Der Mann zählt zu den einflussreichen Genossen in Nordrhein-Westfalen und hat den Auftritt des Bundesverkehrsministers am vergangenen Montag beobachtet. "Ich habe das nicht verstanden, der agiert reichlich vorsichtig", sagt der Mann kopfschüttelnd. Bodewig hatte am Montag die Machbarkeitsstudien zum Transrapid in Deutschland entgegengenommen und überwiegend gequält gelächelt, obwohl ihm die Gutachter die frohe Botschaft übermittelt hatten, dass die Strecken in München und im Ruhrrevier Gewinn versprechen. Die Gutachter-Rechnung geht nur auf, wenn Bodewig aus seinem Etat die versprochenen Milliarden für die Finanzierung der Trassen bereitstellt.

Egal wen man in der Düsseldorfer Landesregierung darauf anspricht, stets ist die Reaktion gleich. "Das kann doch wohl nicht sein, dass die Gutachter über ein Jahr lang zweimal im Monat alles mit dem Berliner Ministerium besprochen haben und jetzt noch einmal prüfen wollen", empört sich ein Landesminister. Allein an Rhein und Ruhr, das haben die Gutachter ausgerechnet, bringt die drei Milliarden Euro Investition mindestens 10 000 Arbeitsplätze. Regierungschef Wolfgang Clement hat dem Kanzler noch andere Argumente genannt: "Nur mit dem Metrorapid schaffen wir im Herzen des Reviers die Verkehrswende." Um das Projekt zu realisieren, will Clement sich nicht nur auf die öffentlichen Mittel aus Berlin verlassen. "Wir wollen privates Kapital mobilisieren und das werden wir auch schaffen", verspricht der Regierungschef.

Auch Clement ist berichtet worden, dass Bodewig skeptisch ist. Er wird sich deshalb noch einmal mit Gerhard Schröder treffen und ihm bedeuten: "Ich habe noch niemanden getroffen, der dieses Investment in der jetzigen Konjunkturlage für unsinnig hält."

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