Bolivien : Morales verweist US-Botschafter des Landes

Der Konflikt in Bolivien spitzt sich zu: Präsident Evo Morales erklärt den US-Botschafter zur "Persona non grata", weil dieser angeblich die Opposition unterstützt. Aus den nach Autonomie strebenden Provinzen wurden in den letzten Tagen wiederholt Aufstände gemeldet.

Evo Morales
Boliviens Präsident Evo Morales. -Foto: AFP

La Paz/WashingtonVor dem Hintergrund des sich zuspitzenden innenpolitischen Konflikts in Bolivien hat Präsident Evo Morales den amerikanischen Botschafter Philip Goldberg zur unerwünschten Person erklärt. "Ich erkläre den Botschafter der Vereinigten Staaten zur Persona non grata", sagte Morales am Mittwoch im bolivianischen Fernsehen. Er warf dem US-Diplomaten vor, die Opposition zu unterstützen und die Spaltung Boliviens zu betreiben. Er habe Außenminister David Choquehuanca beauftragt, dem Botschafter mitzuteilen, dass er das Land verlassen solle, sagte Morales.

Von der US-Regierung wurden die Anschuldigungen gegen den Botschafter als "haltlos" zurückgewiesen. Man habe bisher jedoch nur aus den Medien über den Entschluss des bolivianischen Präsidenten erfahren, sagte US-Außenamtssprecher Gordon Duguid in Washington. Eine offizielle Mitteilung über diplomatische Kanäle sei noch nicht erfolgt.

Angriffe auf Polizisten und Soldaten

In Bolivien hat sich der Konflikt zwischen dem linksgerichteten Präsidenten und fünf von der Opposition dominierten Regionen des Landes in den vergangenen Tagen weiter verschärft. Anhänger der Autonomiebewegung in der Stadt Santa Cruz 900 Kilometer östlich von La Paz vertrieben Polizisten und Soldaten, die die regionale Steuerbehörde bewachen sollten. Polizisten seien von der aufgebrachten Menge verprügelt worden, berichteten nationale Medien am Mittwoch. Ähnliche Entwicklungen wurden auch aus den Regionen Tarija, Beni und Pando gemeldet, in denen die Opposition eine starke Rolle spielt.

Kern des Konflikts ist der der Versuch der Regierung Morales, den Wohlstand aus dem rohstoffreichen Osten und Süden des Landes zugunsten der vor allem im westlichen Hochland lebenden und seit Jahrhunderten benachteiligten Indios umzuverteilen. (jr/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar