Bombay : Kämpfe dauern an - Spezialeinheiten stürmen jüdisches Gebäude

Die Kämpfe zwischen Terroristen und Sicherheitskräften in Bombay halten an. Eine Spezialeinheit stürmte am Freitagmorgen einen Gebäudekomplex des Jüdischen Zentrums. Polizisten befreiten unterdessen zahlreiche Geiseln aus dem Luxushotel Oberoi Trident, darunter mehrere Deutsche.

Bombay
Sicherheitskräfte sichern das jüdische Gebäude. -Foto: AFP

BombayAuch am zweiten Tag nach der Anschlagswelle mit mindestens 130 Toten in Bombay halten sich noch immer Terroristen mit einer nicht näher bekannten Zahl von Geiseln in der indischen Millionenmetropole verschanzt. Aus einem Gebäude im jüdischen Viertel waren nach Behördenangaben schon am Donnerstagabend sieben Geiseln befreit worden. Indische Sicherheitskräfte begannen am Freitagmorgen mit der Erstürmung des Gebäudes. Bilder des indischen Fernsehens zeigten, wie Soldaten sich von Hubschraubern auf das Dach des Nariman-Gebäudes abseilten. Terroristen hätten Handgranaten auf Sicherheitskräfte geworfen, die sich dem Gebäude genähert hätten, hieß es. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums werden in dem ultraorthodoxen Chabad-Lubawitsch-Zentrum zwischen zehn und zwanzig Israelis festgehalten, darunter der Rabbiner und seine Frau.

Aus dem bereits am späten Mittwochabend (Ortszeit) attackierten Hotel Oberoi Trident befreiten Spezialeinheiten nach Polizeiangaben am Freitag mindestens 93 Menschen. Unter ihnen sind auch deutsche Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes und der Lufthansa. Nach Medienberichten halten sich aber weiterhin Geiseln in dem Hotel auf. Nach Berichten des Senders CNN-IBN hätten die Terroristen nach der Erstürmung der Hotels regelrechte Kommandozentren in den Gebäuden eingerichtet. Das ebenfalls bombardierte Luxushotel Taj Mahal wurde laut Polizeiangaben inzwischen fast vollständig geräumt, dort soll sich nur noch ein verletzter Angreifer verschanzt halten.
  
Ein Deutscher ist unter den Todesopfern

Bombays Polizeichef Hassan Gafoor gab die Zahl der Todesopfer bei den offenbar minutiös geplanten Anschlägen am Freitagmorgen mit 130 an. Die Einsätze an den beiden Hotels und dem Jüdsichen Zentrum dauerten jedoch noch an und die Opferzahl könne weiter steigen, sagte er. Mindestens neun Ausländer sind unter den Opfern, darunter auch ein Münchner Medienunternehmer: Ralph Burkei starb bei dem Überfall auf das Taj-Mahal-Hotel. Das bestätigte die Medienfirma C.A.M.P. TV, bei der Burkei als Programmleiter wirkte. Weitere Deutsche seien verletzt, sagte eine Sprecherin in Berlin.

Nach einem Bericht der Online-Ausgabe der Münchner "Abendzeitung" kam der 51-jährige Burkei beim Fluchtversuch vor den Angriffen ums Leben. "Der Ralph wollte über die Hotel-Fassade flüchten und ist dann abgestürzt", sagte C.A.M.P TV-Geschäftsführer Ralph Piller dem Blatt. Auf dem Vordach liegend habe er noch einen Freund in München angerufen und ihm gesagt: "Ich habe mir alle Knochen gebrochen. Wenn mir jetzt keiner hilft, dann schaffe ich es nicht mehr." Burkei sei dann auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

Indischer Premier vermutet Drahtzieher im Ausland

Bei den offenbar koordinierten Attacken hatten mehrere kleine Kampfgruppen in der Nacht zu Donnerstag die beiden Hotels, den Bahnhof, ein Krankenhaus, ein Restaurant und mehrere weitere Ziele der Millionenstadt angegriffen.
  
Der indische Premierminister Manmohan Singh vermutete die Drahtzieher der Angriffe im Ausland. Ein ranghoher Militär-Vertreter des Landes sagte, die Angreifer stammten aus Pakistan. Nach indischen Presseberichten nahm die Polizei drei bewaffnete Männer fest, darunter einen Pakistaner. Bei Vernehmungen habe er ausgesagt, er sei gemeinsam mit zwölf weiteren Angreifern
per Schnellboot nach Bombay gekommen, um die Anschläge auszuführen. Zu der Anschlagsserie hatte sich die bislang unbekannte indische Islamisten-Gruppe Deccan Mujahedeen bekannt. (sba/dpa/AFP)

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