Politik : Bombe im Auftrag der Mullahs?

1994 starben in Argentinien 85 Menschen. Jetzt gibt es Hinweise, dass Iran dafür verantwortlich war

Frank Jansen

Die Autobombe hatte eine ungeheure Wucht. Gegen zehn Uhr früh explodierten am 18. Juli 1994 in Buenos Aires 300 Kilogramm Sprengstoff vor dem Gebäude des jüdischen Sozialwerks „Asociación Mutual Israelita Argentina (Amia)“. Das Gebäude wurde nahezu pulverisiert. 85 Menschen starben, mehr als 300 erlitten Verletzungen. Der Tag ging in die Geschichte Argentiniens ein – als Datum des blutigsten Anschlags, den das Land je erlebt hat. Doch auch neun Jahre danach ist das Verbrechen nicht aufgeklärt. Ein Prozess gegen 20 Argentinier, die wegen Beihilfe angeklagt sind, schleppt sich dahin. Doch nun verdichten sich Indizien, die auf islamistischen Terror hinweisen. Und auf Iran als möglichen Auftraggeber.

Scotland Yard hat jetzt in der englischen Stadt Durham den ehemaligen Botschafter Irans in Argentinien, Hadi Soleimanpour, festgenommen. In der vergangenen Woche hatte der argentinische Bundesrichter Juan José Galeano internationale Haftbefehle gegen 13 Iraner erlassen. Die Regierung in Teheran bestreitet jedoch jede Beteiligung an dem Anschlag. Das Mullah-Regime will auch mit einem zweiten Attentat in Buenos Aires nichts zu tun haben, das 1992 die israelische Botschaft traf. Damals kamen 29 Menschen ums Leben, 250 wurden verletzt. Die Schuldigen wurden nie gefunden.

Internationale Sicherheitskreise nennen eine bizarre Verbindung. Iran habe die libanesische Terrororganisation Hisbollah mit den Anschlägen beauftragt. Zuständig für die Planung der Attentate sei Imad Fayez Mugniah gewesen, Sicherheitschef der Hisbollah. Mugniah war vermutlich schon an den Anschlägen auf die Amerikaner 1983 in Libanon beteiligt und gilt als einer der weltweit gefährlichsten Terroristen. Außerdem habe Teheran, zumindest im Fall des Angriffs auf das jüdische Zentrum Amia, den damaligen Präsidenten Argentiniens bestochen. Carlos Menem soll zehn Millionen Dollar erhalten haben, um die Ermittlungen zu behindern. Das Geld sei auf einem Schweizer Konto gelandet. Als die „New York Times“ im Juli 2002 über diesen Vorwurf berichtete, dementierte Menem vehement. Später gab er jedoch zumindest zu, über ein Konto in der Schweiz zu verfügen.

Durch die Ermittlungen gerät auch Iran in Bedrängnis. Jeder Hinweis auf eine mögliche Beteiligung des Mullah-Regimes an Attentaten verschärft die Konfrontation mit den USA. Zumal die Amerikaner Iran verdächtigen, auch bei den Anschlägen im Irak mitzumischen. Vergangene Woche berichtete CNN, Imad Fayez Mugniah habe sich offenbar im Iran mit dem Al-Qaida-Anführer Abu Mosab al Zarkawi getroffen, um ein Bündnis gegen die US-Truppen im Irak zu schließen. Zarkawi gilt inzwischen als möglicher Drahtzieher des schweren Anschlags auf die jordanische Botschaft in Bagdad.

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