Politik : Bombe in U-Bahn: Moskauer Polizei: Anschlag war Terrorakt

Elke Windisch

Einen Tag nach der Bombenexplosion in einer Moskauer U-Bahn-Station gingen die Behörden am Dienstag von einem Terrorakt aus. Hinweise auf den möglichen Täterkreis lagen jedoch nicht vor. Bei dem Anschlag waren am Montagabend zehn Menschen verletzt worden. Zwei von ihnen waren am Dienstag noch im Krankenhaus. Die Bombe hatte nach Schätzungen des Inlandsgeheimdienstes FSB eine Sprengkraft von 200 bis 400 Gramm TNT.

Es hätte sehr viel schlimmer kommen können. Wäre gerade ein Zug eingefahren, so kommentierten Experten den Anschlag, hätte es Dutzende von Opfern gegeben. So aber hält sich die Schreckensbilanz in Grenzen. Ärzte bezeichneten den Zustand der Verletzten als "zufrieden stellend".

Die Bombe detonierte um 19.43 Uhr in der Metrostation Bjelorusskaja. Die Attentäter hatten etwa 300 Gramm Plastiksprengstoff unter einer Marmorverzierung deponiert, die sich in unmittelbarer Nähe der Treppe befand, über die Fahrgäste von der Ringlinie auf eine Nord-Südroute umsteigen. Zur Zeit des Anschlags herrschte in der Metro Hochbetrieb, auf den engen altersschwachen Rolltreppen hätte leicht Panik ausbrechen können. Die meisten bekamen von dem Drama jedoch gar nichts mit. Die wenigen Augenzeugen, die von der Polizei bereits vernommen wurden, berichten, die Detonation sei schwach gewesen, es hätte nur nach verbranntem Gummi gerochen.

Moskaus Oberbürgermeister Jurij Luschkow, der nach wenigen Minuten am Tatort eintraf, sprach als erster von einem Terroranschlag. Polizeigeneral Walerij Bijew indessen schloss auf einer Pressekonferenz nicht aus, dass es sich nur um "gewöhnliches Rowdytum" gehandelt haben könnte. Auch Schuldzuweisungen blieben aus. Für bisherige Anschläge - im Herbst 1999 flogen drei Wohnhäuser in die Luft und im letzten August detonierte ein Sprengsatz in einer Moskauer Fußgängerzone - wurden trotz mangelnder Beweise stets Tschetschenen verantwortlich gemacht.

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