Politik : Bomben explodieren vor Polizeiwache in Athen Premier: Kein Zusammenhang

mit Olympischen Spielen

Gerd Höhler

Athen. Bei der Explosion dreier Bomben ist am morgen in der griechischen Hauptstadt ein Polizist leicht verletzt worden. Die Sprengsätze detonierten genau 100 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Athen. Einen Zusammenhang mit dem Großereignis sieht die griechische Regierung aber nicht. Die Anschläge galten einer Polizeiwache im Athener Stadtteil Kallithea. Gegen 3 Uhr 45 in der Früh hatte ein anonymer Anrufer bei der Zeitung „Eleftherotypia“ die Explosionen angekündigt. Die Polizeiwache war daraufhin geräumt worden. Der erste Sprengsatz detonierte zehn Minuten nach der Warnung, der zweite weitere fünf Minuten später und der dritte nach einer halben Stunde. Dabei erlitt ein Polizeibeamter durch umherfliegende Glassplitter leichte Verletzungen. Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Anschläge im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Athen stehen. Es handele sich um ein „isoliertes Ereignis“.

In Polizeikreisen vermutet man griechische Anarchisten hinter den Explosionen. Ermittler äußerten die Vermutung, die Anschläge seien von Sympathisanten der vor zwei Jahren weitgehend zerschlagenen Terrororganisation „17. November“ verübt worden. Die führenden Mitglieder der Gruppe wurden Ende vergangenen Jahres zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Sie sollten am Mittwoch in ein neues Hochsicherheitsgefängnis verlegt werden. Polizeiexperten sehen auch einen möglichen Zusammenhang der Anschläge mit dem zurzeit laufenden Prozess gegen fünf führende Mitglieder einer anderen griechischen Terrorgruppe, die sich „Revolutionärer Volkskampf“ (ELA) nennt. Bereits im September hatten Sympathisanten der Organisation zwei Sprengsätze vor einem Gerichtsgebäude gezündet.

Rund drei Monate vor dem Beginn der Olympischen Spiele dürften die Explosionen neue Diskussionen um die Sicherheit der Sportler, Funktionäre und Besucher auslösen. Für Sicherheitsmaßnahmen gibt Athen nahezu eine Milliarde Euro aus, viermal so viel, wie bei den Spielen in Sydney aufgewendet wurde. Mehr als 50 000 Sicherheitskräfte werden im Einsatz sein. Auch die Nato soll helfen: Awacs-Aufklärer werden den Luftraum überwachen und Kriegsschiffe der Allianz den Seeverkehr im östlichen Mittelmeer kontrollieren.

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