Politik : Bomben in Ägypten: Al Qaida in Verdacht

Sicherheitsexperten vermuten bin Ladens Stellvertreter hinter dem Anschlag auf israelische Touristen

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Berlin/Taba Bei der Anschlagserie auf Touristen in Ägypten in der Nacht zum Freitag sind mindestens 30 Menschen getötet worden; 150 wurden verletzt. Die meisten der Opfer der mit Autobomben verübten drei Attentate in den Badeorten Taba und Ras al Satan auf der Sinai-Halbinsel stammten aus Israel. Unter den Toten sind mehrere Kinder. Rettungskräfte befürchten, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte. 30 Israelis wurden am Freitagnachmittag noch vermisst. Das schwerste Attentat war das auf das Hilton-Hotel in Taba. Tausende israelische Touristen traten nach den Anschlägen fluchtartig die Heimreise an. Das Auswärtige Amt in Berlin und auch die USA rieten von Reisen auf die Sinai-Halbinsel ab.

Drei unbekannte Islamistengruppen bekannten sich zu den Anschlägen. Deutsche Sicherheitsexperten gehen aber wie israelische Sicherheitsbehörden davon aus, dass das Terrornetzwerk Al Qaida verantwortlich ist. Konkret wird der Ägypter Aiman al Sawahiri, Stellvertreter Osama bin Ladens, als Initiator genannt. Sawahiri halte sich in der pakistanisch-afghanischen Grenzregion versteckt. Al Qaida versuche sich auf diese Weise – wie auch 2002 bei dem Attentat auf ein Hotel in Mombasa in Kenia – „in den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis einzumischen“, sagt ein deutscher Experte.

Der außenpolitische Beauftragte der EU, Javier Solana, sagte dem Tagesspiegel, die Anschläge seien vor allem deshalb ernst zu nehmen, weil sie auf ägyptischem Boden stattgefunden hätten. „Ägypten gehört zu den Ländern, die sich um eine Lösung der Probleme in der Region auf konstruktivem Weg bemühen“, sagte Solana. Er rief Israel und Ägypten zur Zurückhaltung auf. Sein Mitgefühl gelte der israelischen wie der ägyptischen Regierung. „Zurückhaltung ist der beste Weg, um diese terroristischen Taten zu bekämpfen“, sagte Solana weiter.

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, er sei „zutiefst erschüttert“. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, „Anschläge dieser Art sind an Brutalität nicht zu überbieten“.

Der ägyptische Außenminister Ahmed Abdul Gheit entschuldigte sich am Freitag bei seinem israelischen Amtskollegen Silwan Schalom für erhebliche Verzögerungen bei den Bergungsarbeiten. Nach israelischen Berichten hatten ägyptische Grenzbeamte israelischen Feuerwehr- und Krankenwagen nur nach genauesten Prüfungen der Identität jedes Mitarbeiters das Passieren der Grenze erlaubt. Dennoch dankte Premier Ariel Scharon Ägyptens Präsidenten Hosni Mubarak für die Zusammenarbeit. Beide vereinbarten eine engere Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus.

Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Anschläge nicht ausdrücklich. Ein Sprecher von Präsident Jassir Arafat sagte, die israelischen Besatzer seien verantwortlich für die anhaltende Gewalt in der Region. Allerdings wiesen die extremistischen Palästinensergruppen Hamas und Islamischer Dschihad eine Beteiligung an den Anschlägen zurück.

Für Informationen über Angehörige oder Freunde hat die Hilton-Kette eine telefonische Hotline eingerichtet, die von Deutschland aus unter 0020- 2-580 5925 erreichbar ist. fan/ame/Tsp

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