Politik : Bomben, Raketen, Gift

Frank Jansen

Berlin - Dem amerikanischen Luftschlag konnte Abu Mussab al Sarkawi nicht entkommen. Am 7. Juni 2006 trafen zwei Bomben mit einem Gewicht von je 250 Kilogramm das Gebäude in der irakischen Ortschaft Hibhib, in dem sich der Jordanier, einer der gefährlichsten Terroristen der Welt, aufhielt. Der Angriff auf den Chef der irakischen Al-Qaida-Filiale, der für unzählige Anschläge sowie die Ermordung von Geiseln verantwortlich war, ist der prominenteste Fall einer gezielten staatlichen Tötung islamistischer Terroristen. Weiteres Beispiel amerikanischer Aktionen ist der Angriff der CIA auf den jemenitischen Al-Qaida-Mann Abu Ali al Harithi. Der Geheimdienst feuerte im November 2002 im Jemen von einer Predator-Drone eine Hellfire-Rakete auf Harithi und seine Begleiter ab.

Die Methode der gezielten Tötung islamistischer Terroristen wenden neben den USA vor allem Israel und Russland an. Auch muslimische Staaten agieren so, meist allerdings erfährt man wenig. Die USA, Israel und Russland vermelden tödliche Attacken als Erfolge im Krieg gegen den Terror, die reale Wirkung ist allerdings unterschiedlich. Al Qaida und das Netz der Dschihadisten, weitgehend dezentralisiert, werden durch den Verlust einer Führungsfigur nur vorübergehend geschwächt. Immerhin eine Atempause, sagen einige Sicherheitsexperten, andere verweisen darauf, dass der Tod Sarkawis den Terror im Irak nicht gestoppt hat. Die Fachleute sind sich allerdings einig: Selbst wenn Osama bin Laden und sein Stellvertreter Aiman al Sawahiri ausgeschaltet würden, bliebe die Terrorgefahr extrem hoch.

Israel scheint mit den Schlägen gegen führende Mitglieder der Hamas mehr erreicht zu haben. Im März 2004 wurde durch einen Raketenangriff der geistige Führer der palästinensischen Terrororganisation, Scheich Ahmad Jassin, getötet. Einen Monat später starb auf ähnliche Weise der „Generalkommandant“ der Hamas, Abdel Asis Rantisi. Er und Jassin waren verantwortlich für zahlreiche Selbstmordanschläge in Israel. Die Exekutionen trugen vermutlich dazu bei, dass die Terrorkampagne abflaute.

Nahezu enthauptet haben die russischen Sicherheitskräfte den nur teilweise islamistischen Widerstand der Tschetschenen, der sich im Konflikt um die Unabhängigkeit der Kaukasusregion radikalisierte. Im April 1996 kam der Rebellenchef und damalige Präsident Tschetscheniens, Dschochar Dudajew, bei einem gezielten Luftangriff ums Leben. Im März 2002 tötete der Geheimdienst FSB in einem Giftattentat den Saudi Ibn al Chattab, der mit islamistischen Söldnern die Rebellen unterstützte. Drei Jahr später brachte der FSB den zweiten tschetschenischen Präsidenten, Aslan Maschadow, um. Im Juli 2006 starb Schamil Bassajew, der brutalste Anführer im tschetschenischen Widerstand, bei einer „Spezialoperation“ der russischen Armee. Seit Bassajews Tod blieben größere Terroraktionen aus.

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