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Bombenanschläge : Dutzende Tote bei neuer Gewalt in Afghanistan

Während in Tokio über die Unterstützung für die Afghanen auch nach dem militärischen Abzug im Jahr 2014 verhandelt wird, haben zwei Bombenanschläge Afghanistan erschüttert. Dabei starben mindestens 40 Menschen. Unter den Opfern ist auch ein Nato-Soldat.

Bei Gefechten und einer Reihe von Anschlägen in Afghanistan sind am Sonntag mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Wie die Behörden mitteilten, griffen Aufständische in der Nacht einen Kontrollpunkt der Sicherheitskräfte in der Provinz Helmand an. Fünf Polizisten wurden den Angaben zufolge getötet, als ein zur Verstärkung gerufenes Fahrzeug von einer Bombe erfasst wurde. Bei dem etwa vierstündigen Gefecht seien 20 Angreifer getötet und drei weitere Polizisten verletzt worden.

In der südlichen Nachbarprovinz Kandahar wurden unterdessen bei einem Doppelanschlag mindestens 14 Zivilpersonen getötet und drei weitere verletzt. Im Bezirk Arghistan sei zunächst ein Kleinbus von einem am Straßenrand platzierten Sprengsatz erfasst worden, sagte der Provinzsprecher Ahmad Dschawed Faisal. Wenig später habe eine weitere Bombe einen Traktor getroffen, mit dem Zivilisten zum Unglücksort gefahren waren, um zu helfen.

Wie die NATO am Sonntag mitteilte, wurde bereits am Samstag ein Soldat des internationalen Militärbündnisses im Süden Afghanistans von einer Bombe getötet. Die Nationalität des Opfers wurde nicht bekannt gegeben.

Während das Land von neuen Unruhen erschüttet wird, berät die internationale Gemeinschaft in Tokio über die finanzielle Unterstützung des Landes nach 2014. Demnach kann Afghanistan auch nach dem Abzug der ausländischen Truppen 2014 mit milliardenschweren Hilfen für den Wiederaufbau rechnen. Die internationale Gemeinschaft sagte bei der Geberkonferenz am Sonntag in Tokio insgesamt 16 Milliarden Dollar für die nächsten vier Jahre zu. Die USA, die Europäische Union (EU) und Deutschland verlangten im Gegenzug Reformen. An der Konferenz nahmen Vertreter von etwa 80 Ländern sowie von Hilfsorganisationen
und Weltbank teil.

“Wir haben vereinbart, dass wir eine neue Form der langfristigen, wirtschaftlichen Partnerschaft brauchen, die auf dem Fortschritt Afghanistans basiert, Ziele zu erreichen, Korruption zu bekämpfen, Reformen umzusetzen und eine gute Führung zu gewährleisten“, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. Auch die wirtschaftliche Situation der Menschen müsse sich verbessern, ebenso die Lage der Frauen. “Die Sicherheit Afghanistans kann nicht nur über die Abwesenheit von Krieg gemessen werden“, sagte Clinton.

Die zugesagten Gelder belaufen sich auf vier Milliarden Dollar jährlich. Die afghanische Zentralbank hat den Bedarf auf sechs Milliarden Dollar geschätzt. Die Hilfsbereitschaft für das Land ist in den vergangen Jahren gesunken. Zweifel, ob die Milliarden auch tatsächlich in der Entwicklungshilfe ankommen, sind ein Grund dafür, ebenso die anhaltend fragile Sicherheitslage.

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