Politik : Bombenattentate in Jakarta: Steckt das Militär hinter den Anschlägen?

Michael Streck

Merkwürdige Dinge geschehen in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. Die Polizei verhaftete gestern 25 Menschen, die verdächtigt werden, bei einer Serie von Bombenanschlägen in den vergangenen Wochen beteiligt gewesen zu sein. Als Motivation genügt, dass sie aus Aceh stammen, der Provinz im Norden Sumatras, die für einen unabhängigen Staat kämpft. Dass auch zwei Angehörige einer militärischen Spezialeinheit unter den Verhafteten sind, wurde erst geleugnet, dann zugegeben. Daraus dürfe aber nicht der Schluss gezogen werden, dass Armeekreise hinter den Attentaten steckten, meinte der neue Polizeichef Bimantoro Suroyo.

Später präsentiert die Polizei noch den Ort, an dem die Verdächtigen ihre Bomben zusammengeschraubt hätten. Eine Garage, rund 300 Meter von der privaten Residenz von Präsident Abdurrahman Wahid entfernt. Beobachter gehen davon aus, dass die Anschläge nur mit Hilfe des Militärs ausgeführt werden konnten, und es wiederum die Dienste von Extremisten nutzte. Auch gebe es Hinweise, dass das Material zum Bau der Bombe, die bei ihrer Detonation in der Börse von Jakarta vor drei Wochen 15 Menschen tötete, aus Armeebeständen stamme. Bei den jetzt Gefassten handle es sich um Sündenböcke, damit die wirklichen Drahtzieher unerkannt blieben.

Die Behörden lehnten auch jede Stellungnahme ab, ob "Tommy", der Sohn des früheren Diktators Suharto, in Verbindung mit den Anschlägen steht. Wahid hatte befohlen, "Tommy" vergangene Woche verhaften und verhören zu lassen. Dann wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Mit diesem Schritt schadete der Präsident jedoch vor allem sich selbst. Denn bislang gibt es keine ausreichenden Hinweise, die ihn mit dem Anschlag auf die Börse in Verbindung bringen. Gleichzeitig wurde Suharto jr. jetzt jedoch wegen Korruption in Zusammenhang mit Grundstücksgeschäften zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Wie die Jakarta Post am Mittwoch berichtete, hob der Oberste Gerichtshof bereits am vergangenen Freitag ein früheres Urteil auf, das den 37-jährigen Geschäftsmann freigesprochen hatte. Tommy Suharto, der mit vollem Namen Hutomo Mandala Putra heißt, soll die Staatskasse um rund 20 Millionen Mark betrogen haben.

Ärger handelte sich Wahid auch ein, als er den nationalen Polizeichef entließ, weil er keine Fahndungserfolge vorweisen konnte. Da Wahid für seine Absetzung die Zustimmung des Parlaments benötigt hätte, muss er sich nun vorhalten lassen, eigenmächtig gehandelt und ein Mitglied der Suharto-Familie zu Unrecht verdächtigt zu haben.

Ein Jahr nach seiner überraschenden Wahl zum Präsidenten ist Wahid nicht mehr die moralische Autorität, die er als liberaler Muslimführer und überzeugter Demokrat einmal war. Selbst er muss sich nun einer parlamentarischen Untersuchung aufgrund undurchsichtiger Finanztransfers stellen. Noch wagt niemand, ihn der persönlichen Vorteilsnahme zu verdächtigen. Aber die Opposition setzt alles daran zu zeigen, dass auch das neue Regime nicht vor Korruption geschützt ist.

Wahids Gegner sind dabei, seine Autorität zu untergraben. Und während der Präsident auf Auslandstour geht, wachsen in Jakarta die Spannungen, da am Donnerstag das Korruptionsverfahren gegen Suharto fortgesetzt wird. Bislang erschütterte an jedem Prozesstag ein neuer Bombenanschlag die Hauptstadt.

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