Politik : Bonn boomt – schon wieder

Matthias Schlegel

Bonn - „Bonna solum felix“ – „Bonn, du glücklicher Boden“. Die Stadt am Rhein hat auch heute keinerlei Anlass, diesem lobpreisenden Wort aus dem 16. Jahrhundert abzuschwören. Bonn boomt. Schon wieder und noch immer.

Am 3. November 1949 hatte der Bundestag das Votum des Parlamentarischen Rates bestätigt, Bonn zur vorläufigen Bundeshauptstadt zu machen. Das Provisorium hielt bekanntlich reichlich vier Jahrzehnte und bescherte der Stadt einen ungeahnten Aufschwung. Als das Parlament des wiedervereinigten Deutschland am 20. Juni 1991 mit knapper Mehrheit den Umzug des Parlaments und von Teilen der Regierung von Bonn nach Berlin beschloss, führte das nicht zum Niedergang der 2000 Jahre alten Ansiedlung. Im Gegenteil. Bonn hat heute mehr Einwohner und sehr viel mehr Arbeitsplätze als zum Zeitpunkt des damals heftig bekämpften Umzugsbeschlusses.

Das verdankt die Stadt vor allem dem Bonn-Berlin-Gesetz von 1994. Darin war nicht nur die Arbeitsteilung der Regierung zwischen beiden Städten festgelegt worden. Vielmehr wurden der Region am Rhein in einer so genannten Ausgleichsvereinbarung vom 29. Juni 1994 zugleich insgesamt rund 1,43 Milliarden Euro zugebilligt, damit sie den Strukturwandel bewältigen konnte. Bonn nennt sich mit Vorliebe „Bundesstadt“, weil dort sechs Ministerien verblieben und außerdem mehr als 20 Bundesbehörden – zum Beispiel Kartellamt und Bundesrechnungshof – von Berlin und Frankfurt am Main an den Rhein umzogen. Überdies hatte schon der Umzugsbeschluss von 1991 angeregt, dass Bonn zu einem Zentrum für internationale Zusammenarbeit ausgebaut werden sollte. Vier große und acht kleinere Einrichtungen der Vereinten Nationen, vor allem mit den Schwerpunkten Umwelt und Entwicklungszusammenarbeit, haben sich mittlerweile dort angesiedelt. Bedeutendste Institution ist das UN-Klimasekretariat.

Das ehemalige Regierungsviertel in Bonn ist heute kaum wiederzuerkennen – seit 1991 haben sich dort mehr als 80 neue Unternehmen und Einrichtungen angesiedelt. Vor dem Umzug von Regierung und Parlament arbeiteten dort reichlich 20 000 Menschen, heute sind es rund 35 000.

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