Politik : Bonn und Washingtonmeiden Streit um NATO-Fünfergipfel

Antrittsbesuch von US-Außenministerin Albright Bonn/Paris (AFP/dpa).Bei der Vorbereitung der NATO-Osterweiterung räumen Bonn und Washington der inhaltlichen Ausarbeitung der geplanten Charta zwischen der NATO und Rußland offenbar Vorrang vor dem von Frankreich vorgeschlagenen Fünfergipfel ein, der die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Rußland an einen Tisch bringen soll."Wir konzentrieren uns derzeit sehr stark auf die Substanz", sagte US-Außenministerin Madeleine Albright am Montag nach Gesprächen mit Bundeskanzler Kohl und Außenminister Kinkel in Bonn. Uneins blieben Bonn und Washington in der Frage, ob ein Fünfergipfel sinnvoll wäre."Es ist die Substanz, die uns interessiert, nicht der Prozeß", sagte Albright zu dem von Paris angeregten und von Bonn unterstützten Gipfeltreffen zwischen Deutschland, Rußland, den USA, Großbritannien und Frankreich.Auch Kinkel sagte, es müsse nun Substanz in die Charta hineingebracht werden, in der die künftigen besonderen Beziehungen zwischen Moskau und dem Westbündnis definiert werden sollen.Es müsse alles getan werden, um dem russischen Präsidenten Jelzin die Akzeptanz der NATO-Osterweiterung zu erleichtern, sagte er in Anspielung auf den Fünfergipfel: "Wir sollten über alles nachdenken, was in dieser Frage hilfreich sein kann." Auch Italien lehnt einen solchen Gipfel ab. Die beiden Außenminister erklärten, daß in den zentralen Fragen der NATO-Osterweiterung vollständige Einigkeit zwischen Deutschland und den USA bestehe.Kinkel bestritt, daß schon eine Vorentscheidung darüber getroffen worden ist, welche Länder als erste der NATO beitreten sollen.Deutschland spiele für die Zukunft Europas eine Schlüsselrolle, so Albright. Differenzen wie die Frage des Umgangs mit der Scientology-Sekte ließen sich "in freundschaftlichem Geist lösen", sagte Albright.Sie wies den von Scientologen benutzten Vergleich ihrer Behandlung in der Bundesrepublik mit der Judenverfolgung im Nazi-Deutschland als "geschmacklos" zurück. Am Nachmittag reiste Albright nach Paris weiter, wo sie mit Präsident Chirac zusammenkam.Sie wurde zunächst von ihrem Amtskollegen de Charette betont herzlich empfangen.Das Verhältnis Paris - Washington ist durch den Streit um das NATO-Kommando Süd in Neapel belastet.Frankreich reklamiert den traditionell mit einem US-Amerikaner besetzten Posten für einen Europäer.

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