Bonner Konferenz : Verhandlungen zum Klima stocken

Die Bonner Konferenz für ein neues globales Klimaabkommen endet ohne konkretes Ergebnis. Sämtliche Umweltverbände bemängeln einen "Mangel an Führung" in der Klimafrage.

Dagmar Dehmer
Boer
Yvo de Boer -Foto: dpa

Berlin - Die Klimaverhandlungen in Bonn, die am Mittwoch nach zehn Tagen endeten, sind „auf der Stelle getreten“. Das ist das Freundlichste, was der Klimakoordinator der Umweltorganisation Greenpeace, Martin Kaiser, über die Vorbereitungskonferenz für den Kopenhagener Klimagipfel im Dezember zu sagen hat. Trotz der „angekündigten Führungsrolle der USA“ hätte das neue Verhandlungsteam aus Washington „noch keine konkreten Vorschläge auf den Tisch gelegt“, moniert Kaiser. Und auch mit der 2007 noch gefeierten Führungsrolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei es offenbar nicht mehr weit her. Sämtliche Umweltverbände bemängeln einen „Mangel an Führung“ in der Klimafrage.

Der Chef des UN-Klimasekretariats Yvo de Boer sagte zum Abschluss der Verhandlungsrunde für ein neues globales Klimaabkommen in Bonn, es werde „sehr schwer werden“, die „reichen Nationen dazu zu bringen, sich auf Emissionsminderungsverpflichtungen einzulassen, die den Forderungen der Entwicklungsländer nahekommen“. Greenpeace hat errechnet, dass die bisher vorliegenden Angebote von Industriestaaten, ihren Treibhausgasausstoß bis 2020 zu mindern in einem Korridor zwischen vier und 14 Prozent im Vergleich zu 1990 liegen. China und Indien fordern eine Minderungsverpflichtung von mindestens 40 Prozent für die Industrieländer.

Diesen Weg wollen allerdings die ölfördernden Länder des Opec-Kartells nicht mehr mitgehen. Saudi-Arabien verlangt seit Jahren Kompensation für die Ölförderstaaten, wenn die Industrieländer weniger Erdöl einkaufen. In Bonn kam es nun erstmals zu einer Spaltung der G 77, in der sich die Schwellen- und Entwicklungsländer organisieren und den Opec-Ländern. Das könnte die Verhandlungen erleichtern. Allerdings weist Martin Kaiser darauf hin, dass es nur dann Bewegung geben wird, wenn die Industrieländer „ambitionierte Emissionsminderungen und verlässliche Finanzmittel“ anbieten, mit denen Entwicklungsländer ihren Treibhausgasausstoß reduzieren können sowie sich an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels anpassen können. Bisher hat kein Industrieland finanzielle Angebote gemacht.

Tatsächlich haben die Industrieländer schon vor acht Jahren zumindest den am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) einen Fonds angeboten, aus dem diese verwundbaren Nationen Anpassungspläne für ihre Ökonomien und Gesellschaften erarbeiten sowie die wichtigsten Anpassungsprojekte finanzieren können sollten. Der LDC-Fonds sollte mit zwei Milliarden Dollar gefüllt werden. Tatsächlich haben die Industrieländer jedoch bisher lediglich knapp 200 Millionen Dollar gezahlt, kritisiert das Internationale Institut für Umwelt und Entwicklung (IIED). Dagmar Dehmer

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