Politik : Bonos Botschaft

Der U2-Sänger macht Hoffnung: Wir sind die erste Generation, die Armut und Aids besiegen kann

Elisabeth Binder

Die Rednerliste hätte kaum honoriger ausfallen können. Beim dritten Treffen des globalen Unternehmensbündnisses gegen HIV und Aids sprachen beim Abendessen Bundeskanzler Gerhard Schröder, Weltbank-Chef James Wolfensohn, Ex-Botschafter Richard Holbrooke und Daimler-Chrysler-Chef und Gastgeber Jürgen Schrempp. Aber ein Künstler stach sie alle aus.

Den Leistungen der Firmen im Kampf gegen Aids stellte Bono, Leadsänger der Rockgruppe U 2, den Anspruch entgegen, mehr zu tun. „Was ich sagen will, ist inspirierend, nicht deprimierend“, rief der Vater von vier Kindern in die erlesene Runde von Managern. „Wir sind die erste Generation, die diese dumme Armut stoppen kann, durch die ein Kind sterben muss, weil das Geld für die Impfung fehlt.“ Er habe Menschen gesehen, die entscheiden mussten: Wer kriegt das rettende Medikament und wer nicht. „Diese Macht sollte kein Mensch besitzen“, sagte er. Die reichen Nationen müssten sich stärker im Kampf gegen Aids engagieren.

Als Rockstar sehe er es als seine Aufgabe an, eine Nervensäge zu sein. „Armut bringt Verzweiflung hervor, die wiederum Gewalt hervorbringt. Es ist klüger, mit seinen potenziellen Feinden Freundschaft zu schließen, als später gegen sie zu kämpfen.“ Der Sänger betonte, dass er nicht wie die Flower-Power-Kinder mit Blumen im Haar und Illusionen im Herzen groß geworden ist, sondern der Tradition des Punk entstammt. „Eigentlich sollten Rockstars ja nicht mit Typen rumhängen, die Anzüge tragen“, sagte er. „Aber wir brauchen Ihre Erfahrungen und Ihr Geld. Zeigen Sie uns, wie man Medikamente billiger macht. Zeigen Sie, was Sie können. Ich flehe Sie an, lassen Sie uns nicht die Chance verpassen, die erste Generation zu sein, die diese Krankheit besiegt.“ Am Ende zitierte er aus einem Lied, das ihm kurz nach dem Fall der Berliner Mauer eingefallen ist, als U2 eine Platte direkt am Potsdamer Platz aufnahmen: „Wir sind eins, aber wir sind nicht gleich. Gemeinsam können wir viel erreichen. Wir müssen einander tragen – das ist keine Last, das ist ein Privileg.“

Es war ein außergewöhnlicher Abend, der zeigte, wie sehr die Visionen der Macher gute Emotionen als Motor brauchen. Von den hochkarätigen Gästen aus aller Welt bekam diese Rede die größte Konzentration und den meisten Beifall.

9

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben