Politik : Bootsdrama: Australische Marine übernimmt Flüchtlinge

Moritz Kleine-Brockhoff

Die 433 Flüchtlinge aus Afghanistan und Sri Lanka haben den norwegischen Frachter "Tampa" verlassen, der sie vor einer Woche in der Nähe der Weihnachtsinsel aus Seenot gerettet hatte. Die Gruppe wurde auf ein australisches Marineschiff gebracht und soll über Papua-Neuguinea nach Neuseeland und in die Südpazifikrepublik Nauru gebracht werden. Die "Manoora" sollte Kurs auf Port Moresby nehmen, die Hauptstadt Papua-Neuguineas. Ursprünglich wollten die Flüchtlinge nach Australien.

Ihr Transport nach Papua-Neuguinea ist möglich, weil der australische Bundesrichter Tony North seine einstweilige Verfügung aufhob, die die Abreise verhinderte. Der aus-tralische Rat für Bürgerrechte klagt und meint, dass Australien die Flüchtlinge aufnehmen müsse. Richter North will bis Mittwoch entscheiden. Sollten die Bürgerrechtler das Verfahren gewinnen, muss die "Manoora" umkehren.

Australiens Ministerpräsident John Howard glaubt aber nicht daran: "Aus unserer Sicht handeln wir legal. Wir haben ein Zeichen gesetzt, dass Australien kein leichtes Ziel für illegale Einwanderer ist." In den letzten Jahren sind Tausende Menschen aus dem Mittleren Osten illegal nach Australien eingewandert. Howard will sich Ende des Jahres zur Wiederwahl stellen.

Politische Überlegungen standen bei der Frage, wie mit den Asylsuchenden umgegangen wird, im Vordergrund. Die australische Regierung entschied, dass die Flüchtlinge 6000 Kilometer weit nach Papua-Neuguinea reisen müssen, um von dort mit Maschinen der australischen Luftwaffe nach Neuseeland und Nauru geflogen zu werden. Auf der Weihnachtsinsel gibt es auch einen geeigneten Flughafen, der norwegische Frachter lag 10 Kilometer davon entfernt. Aber es sollte verhindert werden, dass die Flüchtlinge australischen Boden betreten.

In Papua-Neuguinea dürfen sie nur solange bleiben, wie ihr Transfer vom Hafen zum Flughafen dauert. Der Plan wird weltweit kritisiert. "So löst man keine Flüchtlingsfrage", sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan. "Die lange Reise wird den Flüchtlingen noch mehr Leid zufügen", meinte "Ärzte ohne Grenzen"-Sprecher Rob Richardson. "Es ist schwer zu verstehen, wie Australien sich so verhalten kann und seinen Ruf in der Welt zerstört", sagte der norwegische Außenminister Thorbjoern Jagland. Er warf dem Land vor, gegen internationale See- und UN-Flüchtlingskonventionen zu verstoßen.

In Neuseeland und Nauru werden erst die Asylanträge der Flüchtlinge geprüft. Neuseeland hat eine Quote für Einwanderer, die in diesem Jahr noch nicht erreicht ist. Ministerpräsidentin Helen Clark hat zugesagt, dass alle Familien in ihrem Land bleiben können, insgesamt rund 150 Flüchtlinge. Nauru ist mit einer Fläche von 21 Quadratkilometern der kleinste Staat der Welt, rund 10 000 Menschen leben dort. Die Pazifikinsel ist aber kein tropisches Paradies, sondern ein kahler Flecken, der den Ruf hat, vor allem russischen Geldwäschern entgegenzukommen.

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