Politik : Bootsdrama: Dili will Flüchtlinge aufnehmen

Moritz Kleine-Brockhoff

Der ost-timoresische Außenminister Jose Ramos-Horta hat am Freitag erklärt, dass sein Land grundsätzlich bereit sei, die Flüchtlinge auf dem norwegischen Frachter "Tampa" aufzunehmen. 433 Menschen aus Afghanistan, Pakistan und Sri Lanka harren immer noch auf dem Schiff aus. Die "Tampa" liegt nach wie vor in der Nähe der Weihnachtsinseln in australischen Gewässern. Australien ist weiterhin nicht bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen, will sie aber auch nicht nach Ost-Timor schicken.

"Ost-Timor hat enorm von internationaler Unterstützung profitiert", sagte Ramos-Horta. "Tausende ost-timoresische Flüchtlinge sind in der Vergangenheit aufgenommen und verpflegt worden." "Sollte die australische Regierung oder das Flüchtlingshilfswerk der UN uns jetzt um Hilfe bitten, wird Ost-Timor wohlwollend reagieren." Ramos-Horta stellte jedoch zwei Bedingungen für einen Aufenthalt der Flüchtlinge in Ost-Timor: die Staatengemeinschaft müsse die Kosten für Unterbringung und Verpflegung tragen und der Aufenthalt der Flüchtlinge müsse zeitlich begrenzt sein.

Das winzige Ost-Timor hat eine Grenze mit Indonesien und ist eine Flugstunde von Australien entfernt. Die "Tampa" liegt zwischen den beiden Ländern. Ost-Timor steht unter UN-Verwaltung, im kommenden Jahr soll die Inselhälfte unabhängig werden. Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerkes in Ost-Timor, Bernard Kerblat, sagte, er sei in der Lage, die Flüchtlinge aufzunehmen. In der Hauptstadt Dili gibt es ein Transitlager, in dem mehr als 200 000 Flüchtlinge vorübergehend versorgt wurden.

Der norwegische Außenminister, Thorbjoern Jagland, lehnte das Angebot Ost-Timors allerdings ab: "Ost-Timor kommt nicht in Frage. Es ist nicht sinnvoll, eines der ärmsten Länder der Welt mit diesem Problem zu belasten." Jagland deutete an, dass Norwegen bereit sei, einen Teil der Flüchtlinge aufzunehmen. Nach Angaben einer Sprecherin der UN-Verwaltung in Ost-Timor hatte Australien die UN gefragt, ob es möglich sei, die Flüchtlinge nach Dili zu bringen. Sergio Vieirra de Mello, der UN-Verwalter Ost-Timors, sagte später, dass Australien mittlerweile von dem Plan Abstand genommen habe.

Die neuseeländische Ministerpräsidentin Helen Clark sagte, ihr Land werde einige Flüchtlinge aufnehmen, wenn andere das gleiche täten. "Wir begrüßen eine internationale Lösung", sagte Clark. Grundsätzlich sei allerdings Indonesien für die Flüchtlinge verantwortlich. Das indonesische Militär hat angekündigt, eine Rückkehr der Flüchtlinge in indonesische Gewässer zu verhindern.

Die Gruppe hatte versucht, über Indonesien nach Australien zu gelangen, wo sie um Asyl bitten wollen. Als ihr Boot sank, nahm der norwegische Frachter sie an Bord. Die Flüchtlinge zwangen den Kapitän in australische Gewässer einzudringen, obwohl dafür keine Genehmigung vorlag. Dort enterten australische Soldaten das Schiff und verhinderten die Weiterfahrt. Vertreter Australiens, Indonesiens und Norwegens kamen im Verlauf des Freitags in Genf zusammen. Dort schlug das UN-Flüchtlingshilfswerk vor, die Flüchtlinge aus humanitären Gründen zunächst auf die Weihnachtsinseln zu bringen.

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