Politik : Boris Jelzin ist gestorben

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Moskau - Der ehemalige russische Staatschef Boris Jelzin ist am Montag im Alter von 76 Jahren verstorben. Das teilte der Kreml in Moskau mit. Zur Todesursache wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf Ärztekreise, Todesursache sei ein plötzlicher Herzstillstand gewesen. Jelzin war seit langem herzkrank.

Jelzin, dessen Karriere als Parteifunktionär in der Sowjetunion begann, übernahm nach deren Zerfall 1991 als erster demokratisch gewählter Präsident die Macht in Russland. Unter Jelzins Führung wurde in Russland der marktwirtschaftliche Reformkurs umgesetzt. Er gestattete Privatbesitz, hob die Preisbindung auf und veranlasste den Abzug der letzten sowjetischen Truppen aus Osteuropa. Den Tschetschenen hingegen wird er als der Mann in Erinnerung bleiben, der zweimal einen Krieg gegen sie führen ließ.

Er spreche Jelzins Familie sein tiefempfundenes Beileid aus, zitierte Interfax den einstigen Jelzin-Rivalen Michail Gorbatschow. Jelzin sei ein Mann gewesen, auf dessen Schultern große Taten zum Wohl des Landes ebenso ruhten wie schwere Fehler lasteten: „Ein tragisches Schicksal.“ Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Altkanzler Helmut Kohl würdigten Jelzins Beitrag zur Herstellung der deutschen Einheit. Jelzins Tod sei ein „schwerer Verlust für Russland, Europa und die Welt“, sagte Köhler.

1995 erlitt Jelzin zwei Infarkte, einen dritten kurz vor seiner Wiederwahl im Jahr darauf. Er unterzog sich mehreren Bypass-Operationen. Seit 2001 kam er zu Nachunteruntersuchungen nach Berlin, zuletzt im Oktober 2006. Ende 1999 trat er – politisch angeschlagen – nach mehreren Herzanfällen und hartnäckigen Gerüchten über eine Alkoholkrankheit sein Amt an seinen gewählten Nachfolger Wladimir Putin ab. AFP/dpa

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