Politik : Bosnien bleibt gespalten Serbe Dodik siegt bei Parlamentswahlen

Sarajevo - Der Serbe Milorad Dodik und der Muslim Bakir Izetbegovic sind die beiden wichtigsten Sieger der Parlaments- und Präsidentenwahlen in Bosnien-Herzegowina. Dodik wurde in der serbischen Landeshälfte mit gut 52 Prozent zum Präsidenten gewählt, berichtete die staatliche Wahlkommission am Montag in Sarajevo nach Auswertung fast aller Stimmen. Bakir Izetbegovic, Sohn des ersten bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic, zieht demnach mit knapp 33 Prozent für die Muslime ins dreiköpfige Staatspräsidium ein. Dort wurden der serbische Vertreter Nebojsa Radmanovic und der kroatische Repräsentant Zeljko Komsic in ihren Ämtern bestätigt.

Dodiks Sozialdemokraten (SNSD) verpassten die angestrebte absolute Mehrheit in der Serbenrepublik. Für die SNSD stimmten nach unvollständigen Ergebnissen in den einzelnen Landesteilen bis zu knapp 44 Prozent der Wähler. Sie braucht damit einen Koalitionspartner. Dodik und seine Partei hatten vor der Wahl wiederholt angekündigt, ihre ohnehin fast unbegrenzt selbstständige Landeshälfte weiter gegen den zweiten Landesteil in Stellung zu bringen, der von Muslimen und Kroaten gemeinsam kontrolliert wird. Durch den Wahlausgang dürfte das seit Jahren wegen nationaler Streitigkeiten blockierte Land keinen Ausgang aus dieser Sackgasse finden, hieß es in ersten Kommentaren. Während die Muslime in Bosnien einen Zentralstaat schaffen wollen, hatte Dodik mit einer Abspaltung der serbischen Landeshälfte gedroht und jede Verfassungsreform auf Bundesebene abgelehnt.

Nach der Wahl hat sich die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa beunruhigt über den hohen Anteil ungültiger Stimmen im serbischen Teil des Balkanstaats geäußert. Bosnien ist seit dem Abkommen von Dayton von 1995 in eine bosnisch-serbische Teilrepublik und eine muslimisch-kroatische Föderation geteilt, die durch föderale Institutionen zusammengehalten werden. Dem Staatspräsidium gehören ein Serbe, ein Kroate und ein Muslim an. dpa/AFP

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