Bosnien-Herzegowina : Ein Slowake für Sarajevo

Wie seinen mehr oder weniger gescheiterten Vorgängern fehlt es Miroslav Lajcak, dem neuen Bosniengesandten, zum Amtsantritt nicht an guten Vorsätzen.

Thomas Roser

BelgradWie seinen mehr oder weniger gescheiterten Vorgängern fehlt es Miroslav Lajcak, dem neuen Bosniengesandten, zum Amtsantritt nicht an guten Vorsätzen. Für Bosnien-Herzegowina sei die Zeit reif, die Nachkriegsregelungen durch eine „so normale Verfassung wie möglich“ zu ersetzen, plädiert der 44-jährige Slowake für eine „politische Normalisierung“ des Vielvölkerstaats: Dies sei Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung – und ausländische Investitionen.

Den stockenden Annäherungsprozess an die EU will der neue Hohe Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft wieder in Schwung bringen. Gut sind die Startbedingungen für den mit der Region exzellent vertrauten Berufsdiplomaten nicht. Zwölf Jahre nach dem Krieg tritt das in zwei Teilstaaten und drei Volksgruppen geteilte Land auf der Stelle, wird von Spannungen zwischen muslimischen Bosniaken, Serben und Kroaten gelähmt. Regelmäßig drohen die Serben mit der Abspaltung vom Zentralstaat. Umgekehrt drängen bosniakische Politiker auf die Auflösung der ihrer Meinung nach durch Völkermord geschaffenen Republika Srpska.

Aktiver als der Deutsche Christian Schwarz-Schilling will Lajcak im Verfassungsstreit zum Kompromiss drängen und auch seine Vollmacht nutzen, Gesetze abzulehnen oder Politiker zu entlassen. Doch anders als der Ex-Gesandte Paddy Ashdown will er Dialog nicht mit Absetzungen oder Ultimaten erzwingen. Normalisierung lasse sich „nicht auferlegen“, weiß der erfahrene Balkanpolitiker: „Ich glaube nicht an Druck und Erpressung.“

In Sarajevo dürfte dem Slowaken seine Kenntnis der Landessprache zugute kommen. Auch war der zweifache Familienvater bis 2005 vier Jahre Botschafter seines Landes in Belgrad. Internationale Meriten erwarb er sich, als er im EU-Auftrag den reibungslosen Ablauf der Volksabstimmung in Montenegro über die Abspaltung von Serbien regelte. Die Interessen aller Volksgruppen müssen berücksichtigt werden, ist Lajcaks Credo. Zu großen Respekt vor den Politikern seines neuen Gastlands hegt er aber nicht. Die Politiker beschäftigten sich kaum mit den Themen, die für die Bürger wirklich wichtig seien, wundert sich der neue Gesandte: „Sie sprechen nicht über Arbeitsplätze, Sicherheit, das Gesundheitssystem, Europa – und die Zukunft.“ Thomas Roser

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar