Politik : BOSNIEN-HERZEGOWINA

Albrecht Meier

Das schlimmste Verbrechen an Zivilisten in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs trägt einen Namen: Srebrenica. Dort erschossen im Jahr 1995 serbische Truppen 8000 muslimische Jungen und Männer. Im vergangenen Jahr richtete sich das Interesse der Weltöffentlichkeit beim zehnten Jahrestag des Massakers wieder auf den Ort im Osten von Bosnien-Herzegowina – und auf den Zustand des gesamten Landes. Muslime, Kroaten und Serben teilen sich den Staat, der aus einer muslimisch-kroatischen Föderation und einer serbisch-bosnischen Teilrepublik besteht. Ein multiethnischer Gesamtstaat, in dem die Grenzen innerhalb Bosniens keine Rolle mehr spielen, liegt noch in weiter Ferne.

Die internationale Gemeinschaft setzt alles daran, Bosnien-Herzegowina als zusammenhängendes Staatsgebilde zu fördern. Möglichst bald soll der Staat in die uneingeschränkte Selbstständigkeit entlassen werden. Zudem hat Sarajevo die langfristige Perspektive einer EU-Mitgliedschaft. Seit Februar versucht Christian Schwarz- Schilling als Hoher Repräsentant in Sarajevo, den Weg in die EU zu ebnen. Der CDU-Politiker musste dabei auch schon Rückschläge erleben: Im April scheiterte eine Reform der bosnischen Verfassung im Parlament. Wie zerbrechlich das Staatsgebilde ist, zeigte sich auch, nachdem die Bevölkerung in Montenegro für die Unabhängigkeit gestimmt hatte: Prompt forderte Milorad Dodik, Regierungschef der Serbischen Republik innerhalb Bosniens, auch ein Referendum über eine Abspaltung.

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