Politik : Bosnien-Krieg: Karadzic soll vergewaltigten Frauen Schadenersatz zahlen

Der ehemalige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, ist am Donnerstag von einem US-Bundesgericht in New York in Abwesenheit zu Schadenersatz in Höhe von umgerechnet knapp 1,5 Milliarden Mark verurteilt worden. Laut Spruch der Jury muss er die Summe an eine Gruppe bosnischer Frauen zahlen, die während des Bosnien-Krieges von Serben vergewaltigt und misshandelt wurden. Die Frauen haben nach Einschätzung von Beobachtern jedoch keine Aussichten, das Geld zu bekommen.

Karadzic, der vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gesucht wird, hält sich vermutlich in Bosnien versteckt. Eine Anwältin der Klägerinnen sagte, man werde alles tun, um herauszufinden, wo er sein Vermögen versteckt habe. Das Urteil gebe ihnen die Möglichkeit, darauf zuzugreifen.

Ein Gruppe von Frauen aus Bosnien-Herzegowina hatte seit 1993 versucht, Karadzic wegen Folter und Vergewaltigungen durch seine Schergen während des Bosnien-Krieges vor Gericht zu bringen. Möglich wurde dieses Zivilverfahren durch ein US-Gesetz, wonach Folteropfer aus der ganzen Welt in den Vereinigten Staaten Schadenersatz von ihren Peinigern einklagen können. Karadzic hatte sich in dem Verfahren nicht verteidigen lassen. In einem Schreiben hatte er 1997 jedoch die Ansicht vertreten, US-Gerichte seien für diesen Fall nicht zuständig.

Das Haager Kriegsverbrechertribunal hatte Karadzic wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Er wurde insbesondere für das Massaker an 7000 Moslems im bosnischen Srebrenica 1995 verantwortlich gemacht. Die in Srebrenica von den Serben begangenen Verbrechen gelten als die schlimmsten Gräueltaten in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

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