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Boston-Attentat : Bombenleger hatten offenbar weitere Anschläge geplant

Ermittler versuchen, am Krankenbett des gefassten Terrorverdächtigen mehr über die Hintergründe zu erfahren. Offenbar hatten die Bombenleger von Boston weitere Anschläge geplant. Zugleich nimmt die Kritik am FBI zu.

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Foto: Reuters
22.04.2013 09:20

Eine Woche nach dem Bombenanschlag beim Boston-Marathon gerät die US-Bundespolizei FBI zunehmend in die Kritik. Sie soll den Hinweisen auf einen islamistischen Hintergrund des getöteten 26-jährigen Terrorverdächtigen Tamerlan Zarnajew nicht genügend nachgegangen sein, wie die „New York Times“ am Montag berichtete. Dessen schwer verletzter 19 Jahre alter Bruder Dschochar ist unterdessen ansprechbar - kann allerdings vorerst nur schriftlich auf Fragen antworten. Bostons Polizeichef Ed Davis vermutet, dass die Brüder weitere Anschläge geplant hatten.

Die Polizei habe anhand der inzwischen gefundenen Beweise Grund zur Annahme, dass die Brüder „weitere Menschen attackieren“ wollten, sagte Davis dem Sender CBS. Allerdings machte Davis keine Angaben dazu, wer Ziel der nächsten Angriffe sein sollte. Beamte hätten bei der Verfolgung von Tamerlan und Dschochar Zarnajew ein ganzes Arsenal hausgemachter Bomben und Materialien sichergestellt. Bei dem Anschlag am vergangenen Montag waren drei Menschen getötet worden - unter ihnen ein achtjähriger Junge. Rund 180 Läufer und Zuschauer wurden verletzt.

Die Kongressabgeordneten Michael McCaul und Peter T. King kritisierten das FBI und sprachen von einem „geheimdienstlichen Versagen“, wie die „New York Times“ berichtete. Der Fall werfe ernsthafte Fragen über die Wirksamkeit der Terrorismusbekämpfung in den USA auf, schrieben die beiden Republikaner in einem an das FBI, das Heimatschutzministerium und den Chef der Nationalen Nachrichtendienste adressierten Brief, aus dem auch „USA Today“ zitierte. McCaul ist der Vorsitzende des Ausschusses für Heimatschutz im US-Repräsentantenhaus und hat Zugang zu Geheimdienstinformationen, auch King ist Terrorismusexperte.

Der überlebende mutmaßliche Bombenattentäter ist nach Medienberichten am Sonntagabend (Ortszeit) im Krankenhaus aufgewacht. Dschochar Zarnajew antworte in seinem Krankenbett schriftlich auf Fragen der Ermittler, berichtete unter anderem die „USA Today“ in ihrer Internetausgabe. Sie bezog sich auf anonyme Aussagen eines der Fahnder.

Zarnajew wird im Beth Israel Deaconess Medical Center von Boston unter anderem wegen einer schweren Schusswunde am Hals behandelt und kann nicht sprechen. Er könnte nach Aussagen der Ermittler noch an diesem Montag von einem Bundesrichter angeklagt werden. Der 19-Jährige muss mit der Todesstrafe rechnen. Massachusetts hat sie zwar abgeschafft, die USA als Staat aber nicht. Der TV-Sender CNN zitierte einen Beamten aus dem Justizministerium mit den Worten, Zarnajew müsse sich wohl nach Bundesrecht wegen Terrorismus verantworten und nach Landesrecht wegen Mordes.

Genau eine Woche nach dem Anschlag waren die Bewohner des US-Staates Massachusetts an diesem Montag aufgerufen, der Opfer zu gedenken. Bostons Bürgermeister Thomas Menino und Gouverneur Deval Patrick riefen zu einer Schweigeminute um 20.50 Uhr (MESZ) auf, dem Zeitpunkt der Explosionen. Anschließend sollen in ganz Massachusetts die Kirchenglocken läuten.

Großeinsatz in Boston
Jubel in den USA: Der mutmaßliche zweite Bombenleger von Boston wurde gefasst.Weitere Bilder anzeigen
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20.04.2013 08:00Jubel in den USA: Der mutmaßliche zweite Bombenleger von Boston wurde gefasst.

Unterdessen rätseln die Ermittler, ob Zarnajew und sein getöteter Komplize und Bruder Tamerlan (26) Drahtzieher im Rücken hatten. Das FBI hatte Tamerlan 2011 als „radikalen Islamisten“ im Visier. Wie das FBI nach der Festnahme mitteilte, hatte die Bundespolizei ihn auf Wunsch einer ausländischen Regierung überprüft. Laut US-Medien bestätigte die Behörde inzwischen, dass es sich dabei um Russland gehandelt habe. Das Ersuchen habe sich auf Informationen gestützt, wonach Tamerlan dem radikalen Islam anhänge und sich von 2010 an drastisch verändert habe. Zuletzt habe er Vorbereitungen getroffen, die USA zu verlassen, um sich Untergrundgruppen in Russland anzuschließen, hieß es. FBI-Agenten verhörten damals ihn und Familienangehörige.

Die für die innere Sicherheit zuständige Bundespolizei nahm ihre Untersuchungen aber nicht wieder auf, als Tamerlan im Sommer 2012 von einer sechsmonatigen Reise nach Dagestan und Tschetschenien in die USA zurückkehrte, wie Mitarbeiter einräumten. Nach Informationen der „New York Times“ hatte er sich nach seiner Rückkehr radikalisiert. (dpa)

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