Politik : Bote des Dschihad

Heute beginnt in Koblenz der Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Ahmed S.

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Berlin - Die Aufregung war gewaltig. Im November 2010 warnte der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), aufgrund ernst zu nehmender Hinweise seien Anschläge in Deutschland zu befürchten – womöglich noch im selben Monat. Danach liefen schwer bewaffnete Polizisten an Bahnhöfen Streife, der Reichstag wurde teilweise für Besucher gesperrt. Passiert ist nichts, doch die „Hinweise“ kamen von ernst zu nehmenden Quellen. Eine war Ahmed S., ein Deutschafghane, der in der pakistanischen Terrorhochburg Wasiristan bei Al Qaida war. Im Juli 2010 nahmen die Amerikaner Ahmad S. in Afghanistan fest und verhörten ihn, monatelang. So erfuhren auch die deutschen Behörden von Plänen der Terrororganisation.

An diesem Montag beginnt am Oberlandesgericht Koblenz der Prozess gegen den 37-Jährigen, der im März 2009 mit weiteren Islamisten, darunter seine Ehefrau und sein Bruder, nach Pakistan geflogen war – ohne Ticket für die Rückreise. Die Amerikaner brachten dann Ahmad S. zurück. Sie übergaben S. im April 2011 dem Bundeskriminalamt.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem weitgehend geständigen S. vor, Mitglied bei zwei ausländischen Terrorvereinigungen gewesen zu sein. Der aus Hamburg stammende Mann hatte sich mit Frau und Bruder im Mai 2009 zunächst der „Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU)“ angeschlossen, die von Wasiristan aus an der Seite von Taliban und Al Qaida gegen westliche und pakistanische Truppen kämpft. Im Juli 2010 wechselten Ahmad S., Frau und Bruder zu Al Qaida. In Camps der beiden Terrororganisationen erhielt S. eine Ausbildung an Waffen. Bei der IBU wirkte S. zudem in einem Propagandavideo mit, das unter dem Titel „Die Vorzüge des Dschihad“ ins Internet gestellt wurde. Im Lager von Al Qaida traf Ahmad S. auf zwei Islamisten, die auf ihre Weise ebenfalls zur Terrorwarnung de Maizières beigetragen haben: Rami M. und Scheich Mohamad Yunis al Mauretani. Der Deutschsyrer Rami M. war auch im März 2009 nach Wasiristan gereist. Im Juni 2010 wurde Rami M. in Pakistan festgenommen und sagte umfassend über Terrorpläne aus. Rami M. wie später auch Ahmad S. nannten in den Verhören Yunis al Mauretani als Schlüsselfigur der geplanten Aktionen in Deutschland.

Der Scheich war damals nach Ansicht von Sicherheitskreisen der „Außenminister“ von Al Qaida. Zu seiner Außenpolitik gehörte, Rami M. und Ahmad S. in konspirativen Techniken zu schulen und die zwei nach Deutschland zurückzuschicken. Sie sollten hier für Aufträge zur Verfügung stehen – auf deren Inhalt, so formulierte es Yunis al Mauretani, „nicht mal der Teufel“ käme.

Rami M. wurde im Mai 2011 vom Oberlandesgericht Frankfurt zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Eine ähnliche Strafe kann vermutlich Ahmad S. erwarten. Ehefrau und Bruder sind auch wieder in Deutschland. Gegen beide wird ermittelt.

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