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Botschafter-Depeschen : Was in den Wikileaks-Veröffentlichungen steht

12.12.2010 14:17 Uhr

Tag für Tag veröffentlicht die Enthüllungsplattform Wikileaks neue diplomatische Depeschen – insgesamt ist aber erst ein verschwindend kleiner Teil des gesamten Materials zugänglich. Einige der jüngsten Enthüllungen im Überblick.

Bis Samstagabend waren erst 1295 von insgesamt 251 287 Dokumenten auf der Webseite von Wikileaks veröffentlicht. Nur vier große Zeitungen sowie der „Spiegel“ haben nach wie vor Zugriff auf alle Texte. Nachdem diese Medien berichtet haben, werden die zugehörigen Depeschen oft erst mit Verzögerung oder gar nicht ins Internet gestellt.

Einige der jüngst bekannt gewordenen Enthüllungen im Überblick:

VATIKAN

Der Vatikan hat offenbar eine Zusammenarbeit bei der Untersuchung von Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche in Irland verwehrt. Die Anforderung von Informationen über die Missbrauchsfälle durch die sogenannte Murphy-Kommission im vergangenen Jahr habe „viele im Vatikan verärgert“, die in der Anfrage einen „Affront gegen die Souveränität des Vatikans“ gesehen hätten, zitierte die britische Zeitung „Guardian“ am Samstag aus einer von Wikileaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft in Rom.

Der Vatikan störte sich demnach an der Form der Kontaktaufnahme.

„Während die Kontaktpersonen im Vatikan sofort tiefes Mitgefühl für die Opfer zum Ausdruck brachten und betonten, dass die oberste Priorität das Verhindern einer Wiederholung sei, waren sie auch verärgert, wie die Situation politisch umgesetzt wurde“, führte die US-Diplomatin Julieta Noyes in ihrer Depesche aus. Demnach hatte die Murphy-Kommission nicht die offiziellen diplomatischen Kanäle genutzt, sondern direkt an den Vatikan geschrieben, um Informationen über den Umgang mit Missbrauchsfällen zu erhalten. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone schrieb schließlich an die irische Botschaft und forderte, dass alle weiteren Anfragen über diplomatische Kanäle gestellt würden. Der irische Botschafter im Vatikan, Noel Fahey, sagte der US-Diplomatin Noyes, der Streit um die Murphy-Kommission sei „die schwierigste Krise gewesen, die er je bewältigt“ habe. Letztlich habe Dublin nicht auf die Bereitstellung von Informationen durch den Vatikan gedrungen. Der Murphy-Bericht prangerte an, dass in Irland katholische Würdenträger jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen vertuscht hatten.

BIRMA

Aus den Wikileaks-Dokumenten geht auch hervor, dass Nordkorea möglicherweise Birma bei der Aufrüstung unterstützt. Nordkoreaner arbeiteten in Birma am Bau von Boden-Luft-Raketen sowie einer unterirdischen Einrichtung, heißt es in der von Wikileaks ins Netz gestellten Depesche der US-Botschaft in Rangun vom 27. August 2004. Die Quelle, auf die sich die Diplomaten berufen, ist vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht worden. Der Verfasser der Depesche äußert allerdings Zweifel daran, dass tatsächlich, wie von der Quelle behauptet, etwa 300 Nordkoreaner in der geheimen militärischen Einrichtung tätig sind. Andere Details deckten sich aber mit denen aus anderen Quellen. Das State Department in Washington wird in dem Bericht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine Hinweise auf Atomwaffen oder -technologie gebe. In einer anderen Depesche wiederum wird von einem ausländischen Geschäftsmann berichtet, der das Gerücht gehört habe, in der Nähe von Minbu werde ein Atomreaktor gebaut. Derartige Gerüchte gebe es bereits seit 2002, kommentierten die US-Diplomaten in ihrem Bericht nach Washington.

DEUTSCHLAND

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sieht einen EU-Beitritt der Türkei offenbar skeptischer als bislang bekannt. Auch das geht aus den Depeschen hervor. Bei seinem Antrittsbesuch in den USA im November 2009 sagte Westerwelle nach einem Bericht des „Spiegel“ zu seiner US-Kollegin Hillary Clinton, die EU könne ein so großes Land nicht integrieren. Wenn Deutschland jetzt über den Beitritt der Türkei entscheiden müsste, wäre die Antwort ein klares Nein. Die Türkei sei nicht modern genug, um zur EU zu gehören.

Der US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy wird sich am kommenden Mittwoch mit deutschen Abgeordneten treffen. Ein Sprecher der US-Botschaft bestätigte am Samstag, dass Murphy eine Einladung der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe im Bundestag angenommen habe. Tsp/AFP

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