Politik : Botschafter im eigenen Land

Der deutsche Erzbischof Ender wird neuer Nuntius in Berlin

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Eigentlich ist es ein ungeschriebenes Gesetz am Heiligen Stuhl, dass VatikanDiplomaten nicht Nuntius in ihrem eigenen Heimatland werden. In Deutschland ist es nun anders gekommen. Als Nachfolger von Giovanni Lajolo soll der deutsche Kurienbischof Erwin Ender neuer Botschafter des Vatikan in Berlin werden. Der 66-jährige Ender gilt als ein umgänglicher und pastoral denkender Mann, der sich schon auf verschiedenen schwierigen Auslandsposten bewährt hat. So war er Papst-Botschafter im Sudan und bereitete 1993 die spektakuläre Papstreise nach Khartum vor. Als Nuntius im Baltikum war er zwischen 1997 und 2001 nicht nur Diplomat, sondern zugleich auch Oberhirte der katholischen Minderheit in Estland. Seit zwei Jahren vertrat Ender den Vatikan in der Tschechischen Republik, wo er den Staatsvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und Prag ausgehandelt hat, der dann allerdings vom tschechischen Parlament nicht ratifiziert wurde.

Am 7. September 1937 in Steingrund in der Grafschaft Glatz im schlesischen Bistum Breslau geboren, kam Ender nach der Vertreibung am Kriegsende mit seinen Eltern in den Westen. Er wuchs im Münsterland auf, studierte als Stipendiat des Germanicums an der Gregoriana in Rom und wurde 1965 zum Priester des Bistums Münster geweiht. Anschließend promovierte er in Theologie über den englischen Kardinal Newman.

Mit Kardinal Lehmann verbindet den neuen Nuntius eine enge Freundschaft. „Wir wissen, dass es ein besonderer Gunstbeweis des Heiligen Vaters ist, dass er uns als Nachfolger einen Nuntius schickt, der aus unserem Land kommt und unsere Situation von Hause aus kennt. Wir dürfen darin einen besonderen Akt des Vertrauens Ihnen und auch wohl der Kirche in Deutschland gegenüber sehen“, schrieb Lehmann in einem Glückwunschbrief an Ender. M.G.

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