Politik : Botschafter in Bern attackiert den Außenminister

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Berlin/Bern Der Protest aktiver Botschafter gegen die Amtsführung von Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wird heftiger. Der deutsche Botschafter in der Schweiz, Frank Elbe, kritisierte die Abschaffung der internen Nachrufe für gestorbene Diplomaten, die NSDAP-Mitglieder waren. „Das Management der gegenwärtigen Krise ist miserabel“, schrieb er in einem Brief an Fischer. Elbes Brief erschien in Auszügen in der „Bild“. Wie das Schreiben an die Zeitung gelangt sei, wisse er nicht, sagte Elbe am Mittwoch.

Das Auswärtige Amt bekräftigte am Mittwoch seine Linie. Die frühere Praxis habe zu Empörung im Ausland geführt und den Ruf der Bundesrepublik beschädigt, sagte eine Außenamtssprecherin. Trotz der offenen Kritik zahlreicher Beamter habe Fischer kein Autoritätsproblem, sagte sie. Fischer befinde sich im Osterurlaub. Danach wolle er „mit Kampfesmut an die Themen“ herangehen.

In seinem Brief bat Elbe den Minister „um ein Zeichen der Versöhnung“, für das es nicht zu spät sei. Letztlich hätten „bürokratische Schlampigkeit und ein Mangel an politischer Empfindsamkeit jene Entrüstung“ bei den Diplomaten ausgelöst, schrieb der ehemalige Büroleiter von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP). Das Auswärtige Amt verteidige seine Haltung jedoch „mit einer unsensiblen Grundsätzlichkeit, die das Haus tief spaltet“. dpa

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