Politik : Botschafter Martin verteidigt Anti-Haider-Sanktionen

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Frankreichs Botschafter in Deutschland, Claude Martin, hat die Sanktionen der 14 EU-Staaten gegen Österreich verteidigt. Die europäische Integration setze einen ähnlichen Standard der Grundrechte in den einzelnen Mitgliedstaaten der EU voraus, sagte Martin am Dienstag bei einem Besuch in der Redaktion des Tagesspiegel. Die Beteiligung der FPÖ an der österreichischen Regierung stelle Europa vor eine "kritische" Situation. Der Botschafter wies den Vorwurf zurück, dass Paris die Regierungsbeteiligung der FPÖ nur aus Gründen der französischen Innenpolitik geißele.

Innerhalb der EU registrierte Martin eine breitere Zusammenarbeit der Regierungen in Berlin und Paris mit den übrigen EU-Staaten, als dies außerhalb der Achse Bonn-Paris in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. Man spüre "jeden Tag", dass die britische Regierung inzwischen einen europafreundlichen Kurs verfolge. Allerdings habe London immer noch eine andere Vision von Europa als beispielsweise Paris oder Berlin.

Dass Deutschland und Frankreich nicht mehr so viel Zeit füreinander hätten wie in der Vergangenheit, sei auch eine Folge der Globalisierung. "Wenn man sich so sehr um die Weltgesellschaft kümmert, dann vernachlässigt man möglicherweise etwas den Partner im eigenen Hause," sagte der Botschafter. Das deutsch-französische Verhältnis habe zwar einen Generationenwechsel vollzogen ("Unsere Großväter waren nicht mehr alle in Verdun"), biete aber nach der Wiedervereinigung auch neue Perspektiven. So empfänden viele Ostdeutsche die deutsch-französischen Beziehungen als anregend. Martin kündigte an, dass Frankreich seine kulturellen Institutionen in den ostdeutschen Ländern modernisieren wolle.

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